Samstag, 14. Juni 2014

Trail de l'Absinth - "Creux du Van" zum Frühstück

Die Vorgeschichte
Von einem Kollegen hatte ich zum ersten Mal vom Trail de l'Absinth gehört. Er hatte von der tollen Landschaft und Atmosphäre geschwärmt. Höhepunkte dabei sind sicherlich die Passage beim "Creux du Van" und später der "Chasseron" mit 1606müM der höchste Punkt der Strecke. Bei der Planung für diese Saison, hat sich dann gezeigt, dass der Lauf erfreulicherweise ideal reinpasst. Einen Monat vor dem Eiger Ultra Trail ist es ein guter Testlauf, welcher zudem 2 UTMB-Quali-Punkte gibt. Also ohne zu zögern gleich angemeldet.
Creux du Van im Morgenlicht

Die Vorbereitung
Meine Woche war bis am Freitag Abend irgenwie ziemlich gefüllt. So hatte ich mich gar nicht richtig mit dem Rennen auseinandergesetzt. Der Start ist am Samstag Morgen 7:15 Uhr angesetzt, das heisst ich muss um 4:15 Uhr bei mir wagfahren, um noch genügend Zeit für Startnummer abholen etc. zu haben. Am Freitag Abend dann also wie im Militär die Übung "Null":

Dabei merke ich, dass mir die Snickers-Riegel fehlen. Da der Ladenschluss schon vorbei ist, rettet mich wieder mal der Tankstellenshop.

Ich versuche mir eine Marschtabelle zu erstellen. Ich kann die Strecke aber nicht richtig einschätzen. Die steilen Steigungen sind in etwa klar, bei den Downhills kommt es aber stark drauf an, wie einfach das Terrain zum laufen ist. Schlussendlich glaube ich, dass ich für die 74km und 2900 Höhenmeter (postiv+negativ) gegen 11 Stunden benötigen werde.


Meine Ziele für dieses Rennen:
1.) Erfolgreich finishen und somit 2 UTMB-Quali-Punke holen
2.) Langstrecken-Test der Ausrüstung im Hinblick auf den Eiger Ultra Trail
3.) Langstrecken-Test von Martin im Hinblick auf den Eiger Ultra Trail
4.) Mein französisch Kenntnisse aufbessern

Die Anreise
Um 3:30 Uhr will ich aufstehen. Kurz vorher erwache ich und drehe mich nochmals in Erwartung des baldigen Weckersignals. Irgendwie kommt das dann nicht und um 3:48 Uhr stehe ich trotzdem auf und stelle fest, dass ich Dödel den Wecker auf 4:30 Uhr gestellt habe. (Es sollte nicht das letzte Problem mit Uhren sein heute). Nun also fix meinen Körper tapen (Schlüsselbeine wegen Rucksack, Brustwarzen, Rücken im Bereich des Hosenbunds, innere Seite der Fersen). Rasch eine Schale Cornflakes einwerfen und dann Ausrüstung ins Auto und los. Auf der Anreise genehmige ich mir noch zwei Brötchen und einen Emmi Caffè Latte.

Der Vollmond steht noch hoch am Himmel und im Osten kündigt sich mit einem orangen Schimmer ein sensationeller Tag an. Als ich Richtung Autobahn fahre, grüssen mich meine 3 Sendemasten "Engelberg", "Frohburg" und "Wasserfluh" mit ihren Blinklichtern. Dort haben meine Frühlings-Trainings stattgefunden. Hab ich wohl genügend trainiert, um heute zu finishen?

Auf der Autobahn nach Solothurn merke ich, dass genau jetzt der Bieler 100km-Lauf stattfindet. Mit warmen Temperaturen und Vollmond natürlich eine sensationelle Nacht. Letztes Jahr dieser Lauf mein Saison-Höhepunkt. Dieses Jahr will ich aber auf Trails laufen. Die flachen Sachen reizen mich nicht wirklich. Um 5:00 bin ich in Biel. Der Sieger wird wohl in wenigen Minuten einlaufen, während die hintersten Läufer noch nicht mal die Hälfte geschafft haben.

Weiter geht es dem See entlang Richtung Neuenburg. Auch hier steigen wieder Erinnerungen hoch. Das einzige Rennen, welches ich schon zwei Mal gelaufen bin, ist der Ultra Marathon Bielersee. Letztes Jahr ging es gut, dieses Jahr wollte ich zu viel und musste dafür leiden. - Ich schwelge in Erinnerungen, als ich ganz abrupt vom Kanton Bern mit einer spontanen Blitzaktion wieder in die Realität zurückgeholt werde. So wird es vom heutigen Tag sicher wenigstens ein Foto geben, auf dem ich entspannt aussehe!

Bei der Einfahrt ins Val de Travers dann der erste Blick auf den Creux du Van im Morgenlicht. Dort oben werde ich in wenigen Stunden stehen.

Das Sportzentrum von Couvet finde ich ohne Probleme. Parkplätze gleich daneben hat es auch genügend. Ich bin froh, dass ich gleich Toilettendrang habe, dann ist das vor dem Start auch noch erledigt. (Im wahrsten Sinne des Wortes ist es nämlich "Scheisse", wenn dieser Drang erst 10 Minuten nach dem Start auftritt.)

Kurz nach 6:00 Uhr hole ich meine Startnummer ab. Neben zwei Zeit-Chips bekomme ich das Finisher-Shirt, ein Badetuch, ein Energie-Gel, ein Waschmittel-Muster, Touristik-Infos und sogar eine Mini-Flasche-Absinth. Wenn das mal kein Vollpaket ist. Ich  setze mich wieder ins Auto, stelle den Iphone-Wecker auf 6:50 Uhr und döse noch etwas vor mich hin.

Das Rennen (Part 1)
Diesmal klappt es mit dem Wecker. Ich mache mich rennbereit und begebe mich in den Startbereich. Ich bin recht knapp dran und merke erst jetzt, dass es noch eine Kontrolle der Pflichtausrüstung (Becher, Trinkflasche 5dl, Handy, lange Ersatz-Kleidung, Notfalldecke) gibt. Diese wird speditiv durchgeführt und einem pünktlichen Start steht nichts mehr im Wege.

Betreffend Ausrüstung will ich heute insbesondere die Batterie-Laufzeiten von Handy und GPS-Uhr testen. Für den Eiger Ultra Trail rechne ich mit einer Laufzeit zwischen 20 und 24 Stunden. Das Handy muss dabei aus Sicherheitsgründen  unbedingt durchhalten und deshalb schalte ich dort alle nicht notwendigen Dienste (mobile Daten, WLAN, Bluetooth, GPS) aus. Bei der Garmin Fenix will ich auf die GPS-Funktionen verzichten, dafür die Herzfrequenz-Anzeige nutzen. Ich weiss aber nicht, wie lange damit der Akku hält. Das will ich heute testen.

Ich reihe mich ziemlich hinten im Startfeld ein. Die ersten 8 Kilometer sind flach und ich will da bewusst langsam angehen. Pünktlich um 7:15 Uhr fällt der Startschuss. Ich starte die Stoppuhr und shit happens, die GPS-Funktion der Uhr wird automatisch gestartet. Also GPS wieder aus, doch dann wird die Aktivität abgebrochen. Toll, das Rennen dauert gerade mal 30 Sekunden und der erste Test ist schon gefloppt. Ich stelle die Uhr auf GPS-Ultracs-Modus. So wird der Track aufgezeichnet und die Stoppuhr funktioniert. Leider wird aus Energiespargründen die für mich so wichtige Herzfrequenz nicht angezeigt.

Technischer Schnickschnack hin oder her, gelaufen wird eh mit den Beinen (und später auch ein wenig mit dem Kopf). Als weiterer Ausrüstungstest, habe ich mir mal die Trekking-Stöcke am Rucksack befestigt. Obwohl sie mit meinem Hinterkopf ab und zu leicht berühre, bin ich froh, dass ich sie nicht in den Händen halten muss. Insbesondere da es zu Beginn noch etwas eng zu und her geht, ist das einfacher.



Ich versuche mein Tempo zu finden und mich nicht mit der Masse mitreissen zu lassen. Meine angestrebte Pace von rund 6Min/km kann ich leider nicht kontrollieren, da die Uhr sie nicht anzeigt, da ich die Anzeige nicht so eingerichtet habe, da ich gedacht hatte, ich lauf ohne GPS. Die Herzfrequenz, welche eigentlich angezeigt werden sollte, wird nun infolge Energiesparmodus auch nicht angezeigt und ich habe auch hier keine Orientierung. Also "Blindflug" trotz CHF 350.- Uhr am Handgelenk. Ich ärgere mich. - Ja ich weiss, ich hab gesagt es ist heute ein Ausrüstungstest. Ich wollte aber einen Langzeittest machen und nicht Sachen rausfinden, welche ich auch bei einem abendlichen Quartierspaziergang mit der Familie hätte entdecken können!

Anyway, die Landschaft ist tatsächlich toll und die ersten flachen Kilometer gehen zügig. Genau nach Plan bin ich nach rund 50 Minuten in Noiraigue am Beginn des Aufstiegs zum Creux du Van. Ich spüle den ersten Energie-Gel (Geschmacksrichtung Orange) runter, damit ich genügend Benzin für den Aufstieg habe. Dann die Stöcke vom Rucksack und weiter von Laufschritt in Marschschritt wechseln. Ich staune, wie viele Teilnehmer, den doch recht steilen Anstieg im Laufschritt angehen. Auf den ersten Metern ist es noch eine breite Forststrasse und ich kann einige Leute überholen. Dann geht es als Singletrail weiter und dadurch natürlich im Kolonnenverkehr.

Ich könnte sicher etwas schneller, das würde aber in dieser frühen Phase des Rennens keinen Sinn machen. Deshalb konzentriere ich mich vor allem drauf, keine Fehltritte zu machen und gleichmässig vorwärts zu kommen. Ich denke insbesondere beim Eiger Ultra Trail werde ich nur eine Chance haben, wenn ich sehr geduldig und dizipliniert ans Werk gehe. Fehler bezüglich Geschwindigkeit, Verpflegung oder Verletzung mag es da keine leiden. - Zurück ins Val de Travers mit den Gedanken. Die Pace stimmt und ich bin mit 30 Minuten Vorsprung auf meine Marschtabelle auf dem Soliat bzw. Creux du Van.

Einfach immer wieder beeindruckend die Landschaft hier!

Nach 700m Aufstieg, folgt nun ein langgezogener Downhill bis praktisch wieder auf Ausgangshöhe. Hier konnte ich im Vorfeld nicht gut abschätzen, wie schnell der zu bewältigen ist. Die Antwort habe ich rasch. Am Anfang geht es flott über grüne Wiesen, dann sogar über Asphalt-Strassen. Also grösstenteils eine Vollgas-Strecke mit einer 5Min/km-Pace. Ich habe etwas Angst, hier meine Fahrwerk (Muskeln/Gelenke) zu überlasten. Andererseits ist natürlich jeder "einfache" Kilometer willkommen. Gegen Ende wird es dann noch etwas technischer beim Abstieg durch eine Schlucht. Hier braucht es eine gute Konzentration, um Fehltritte zu vermeiden. Das Teilstück schaffe ich mit einem Schnitt von über 11km/h und bin ca. 40 Minuten vor Marschtabelle in "Carrière à Motiers". Am Verpflegungsposten fülle ich meine Flaschen, trinke etwas Cola und genehmige mir Petit Beurres und Schokolade.

Dann geht es an den zweiten grossen und diesmal langgezogenen Aufstieg zum Chasseron. ich freue mich darauf, denn die Aufstiege machen mir eigentlich immer am meisten Spass. Das Feld hat sich nun ziemlich aufgelockert und einige hundert Meter nach dem Verpflegungsposten ist zweigen zudem die Marathonläufer ab und die "Ultras" sind ab nun unter sich. Ich komme mit einem anderen Läufer ins Gepräch. Er kommt aus Payerne und spricht gut Deutsch. Er hat den Trail d'Absinth schon mehrmals gelaufen und benötigt so gegen 10 Stunden. Eine Zeit unter 10 Stunden wäre auch ein super Resultat für mich. Es ist unterhaltsam, wenn man nicht alleine läuft, allerdings besteht auch die Gefahr, dass man sich aus falschem stolz an einen stärkeren Läufer "klebt" und sich so überpaced. Wir unterhalten uns über geplante und bereits absolvierte Läufe. Als sich dann herausstellt, dass er UTMB-Finisher ist, lasse ich ihn bei nächster Gelegenheit ziehen. Mit solchen Leuten lege ich mich nicht an!

Der Aufstieg hier geht ordentlich zur Sache. Landschaftlich sensationell ist die Passage einer engen Schlucht.

Später wird es wieder offener und die Strecke führt über Weiden, Hochebenen und durch Wälder. Ich denke der Trail de l'Absinth ist wahrscheinlich einer der abwechslungsreichsten Läufe, welchen man in der Schweiz laufen kann. Für mich sehr wertvoll, dass ich lauftechnisch viel profitieren kann. Insbesondere beim Einsatz der Trekking-Stöcke lerne ich viel dazu.

Ich muss mich immer wieder zwingen, dass ich nicht in den "Race"-Modus falle und versuche andere Läufer einzuholen oder nicht überholen zu lassen. Das Rennen ist noch lange und es bringt nicht, sich auf irgendwelche Scharmützel einzulassen. Eigene Pace gehen, genügend Essen und Trinken, sich nicht verletzten, konstant vorwärts kommen. Diese Punkte gilt es einzuhalten, dann kommt das Ziel automatisch näher. - Die Wetterbedingungen sind ideal heute. Es ist sonnig und warm, Quellwolken bieten aber ab und zu Schatten und ein leichter Wind bringt Kühlung.

Kurz nach Mittag erreiche ich auf dem Chasseron den höchsten Punkt der Strecke. Es ist etwas dunstig, die Aussicht auf den Neuenburgersee aber trotzdem überwältigend. 40km in knapp 5h gelaufen. Bis jetzt tiptop und für mich schaue ich das etwa als Halbzeit an. Ein Finish unter 10 Stunden ist möglich, wenn ich die Pace durchhalten kann. Nun gilt es aber die Konzentration auf den steilen Downhill nach Noirvaux zu bündeln.

Das Rennen (Part 2)
In den letzen Wochen hatte ich beim Laufen mit folgenden körpelichen Beschwerden zu kämpfen:
-Ziehen in beiden Hüften
-Schmerzen an der linken Fusssohle
-Ziehen in der Kniekehle links innen
-Verhärtung der linken Wade

Erfreulicherweise tritt heute von alledem bis jetzt fast nichts auf. Nur die Hüfte und die Kniekehle spüre ich zwischendurch ganz leicht. Mein Physio Manuel "Der Folterknecht" da Silvia könnte doch recht haben, dass ich mehr Dehnen muss. Mein tägliches Dehnprogramm der letzten Wochen scheint anzusprechen.

Der Downhill geht nun aber ordenlich in die Knochen. Zudem werde ich von diversen Läufern überholt, was an die Motivation geht. Ich getrau mich aber nicht, hier mehr Gas zu geben. Das Terrain ist einfach zu wild und zu steil. Immerhin machen auch die Muskeln mit und ich habe noch keine Probleme mit Krämpfen. Schlussendlich sind die 550 Höhenmeter in gut 30 Minuten weg und ich bin froh, auch diesen Teil gemeistert zu haben. Mein nächstes Zwischenziel ist der Checkpoint in "La Côte aux Fées". Dort gibt es eine Cut-off-Zeit, welche mich vor dem Rennen noch etwas verunsichert hat. Nun werde ich diese aber locker einhalten können. Nur noch über einen Hügel.

Der kurze Anstieg geht gut. Auf dem schnellen Flachstück durch den Wald dann die erste körperliche Friktion: Beim Sprung über eine Wasserpfütze haut es mir einen Krampf in den hinteren Oberschenkelmuskel links. Also anhalten und dehnen. Dabei werde ich von einer attraktiven Mittvierzigerin im roten Renndress überholt. Auf Ihr "ça va?", grunze ich "Oui, oui, pas de problème". "Ich habe den Krampf im linken Oberschenkel und könnte eine Massage gebrauchen", fällt mir spontan auf französisch einfach nicht ein. Tja, die restlichen 30km könnten hart werden. Da der Rhythmus nun grad eh gebrochen ist, entscheide ich mich für eine "petite pause derrière un sapin", bevor der Wald und somit die Sapins fertig sind. Nachher bin ich erleichtert und bereit, den Rest in Angriff zu nehmen.

Bei der Verpflegung in "La Côte aux Fées" bekomme ich mit, dass hier Läufer aufgeben. Diejenigen welche hier rumsitzen, sehen auch nicht so frisch aus. Mein Gefühl der Erleichterung hält immer noch an und ich vergesse prompt, meine Flaschen zu füllen. Ich bemerke den Fehler wenige 100m nach der Verpflegung, als die erste Flasche leer ist. Da ich in 5 bis 6 km die nächste Verpflegung erwarte, sehe ich die Sache noch nicht so eng.


Der Rückweg nach Couvet ist ein topographisches Auf und Ab. Wiesen und Wälder wechseln sich ab. Hier habe ich keine Marschtabelle mehr, da ich die mögliche Bewegungsgeschwindigkeit nicht einschätzen konnte. Ich bin seit fast 7 Stunden unterwegs und eine Endzeit unter 10 Stunden kann immer noch drin liegen. Ich genehmige mir wieder mal einen Energie-Gel (Apfel) und oh Schreck, ich kann diesen grad noch runterspülen, danach ist auch die zweite Flasche leer. Bei Kilometer 55 erwarte ich die Verpflegung. Leider fehlt genau dieser Posten und eine nette Frau verweist auf die nächste Verpflegung in 5km. Super, das heisst ca. 45 Minuten auf dem Trockenen laufen. Ich hätte sogar Lust auf ein Snickers, glaube aber daran zu ersticken, wenn ich nichts trinken kann dazu.

Die Strecke geht leicht abwärts durch den Wald. Vor mir eine ältere Läuferin, welche sich tapfer wehrt, dass ich sie nicht überholen kann. Schlussendlich bin ich aber leicht schneller. Auch sie wartet auf die Verpflegung und fragt mich, wann diese komme. Es dürften nur noch 2-3 km sein. Ein super Trail durch den Wald. Mit etwas Wasser hätte ich aber durchaus mehr Genuss. Dann endlich der Verpflegungsposten bei km 59! Flaschen füllen, Cola trinken, Apfelschnitze fassen und dann sofort weiter. Die ältere Läuferin war schneller als ich, ich hole sie aber bald wieder ein. Dann kommt das 60km-Schild. Seit Kilometer 20 haue ich bei jeder 5-km-Markierung mit dem Stock dran. Bringt nicht viel, tönt aber lustig und macht aber Spass! Will ich unter 10 Stunden bleiben, muss ich die restlichen 15km in unter 2 Stunden schaffen. Das gibt eine ziemliche Punktlandung.

Für mich erstaunlich, gibt es immer noch viele Positonswechsel. Ich überhole jemanden in der Fläche und er überholt dann aufwärts wieder. Oder ich überhole jemanden aufwärts und er holt mich dann abwärts wieder. Oder einer rennt bergauf an mir vorbei, sitzt dann aber bei der Verpflegung ab und ich passiere ihn dort wieder. Das kannte ich vom Irontrail oder Sardona-Trail so nicht. Ich versuche nicht wieder in den "Race"-Modus zu fallen und einfach meine Tempo zu gehen.


Die Strecke bleibt sensationell schön und abwechlungsreich. Zudem ist sie top-markiert und es ist fast unmöglich, sich zu verlaufen. Das habe ich an anderen Orten schon anders erlebt. Das Rennen kann im Internet verfolgt werden, da die Passage der einzelnen Kontrollposten live aufgeschaltet wird. Ein grosses Lob an die Organisation an dieser Stelle.

Erstaunlich für mich, dass nach 65km ein Läufer wie ein Rehlein im Walde an mir vorbeiläuft und mich einfach stehen lässt. Wenig später in einem technischen Downhill dann auch ein Läufer in auffallend grünem Dress, welchen ich im letzten Kiesweg-Downhill noch locker überholt hatte, weil er anscheinend grosse Schmerzen in den Füssen hatte. Mir egal, ich lauf mein Rennen.

Ich ziehe einen letzten Energie-Gel aus der Tasche. Die vielversprechende Geschmackrichtung "Tropical-Fruit Mango-Passion" tönte im Laden vielversprechend. Schon bei einem Test im Training, musste ich aber feststellen, dass der Gels einen gewöhnungsbedürftigen sauer-bitteren Geschmack hat. Konkret zieht es mir jedesmal die Arschbacken zusammen, wenn ich so ein Ding konsumiere. Um mich nun für den "Endpsurt" vorzubereiten, kann das aber nicht Schaden. Zudem hat es 50mg Koffein drin, was ungefähr einem doppelten Espresso entspricht und den zusätzlichen Kick geben soll.

Statt der 70km-Tafel kommt dann die -5km-Tafel. Ab nun wird rückwärts gezählt. Ich hab das "grüne Männchen" wieder eingeholt und klemm mich am letzten kurzen Anstieg an seine Fersen.


Oben angekommen geht im Wald flach auf einem flockigen Singletrail. Erinnerungen an den Ho-Chi-Min-Pfad in Biel kommen auf. Auch dort habe ich mich letztes Jahr an die Fersen eines leicht langsameren Läufers geheftet. So kommt man gut voran, ohne sich total verausgaben zu müssen. (Tipp für Fortgeschrittene: Wenn hübsche Damenwaden vorneweg laufen, funktioniert es in der Regel auch, wenn die Dame leicht schneller ist.) Es kommt so etwas wie Runner's high auf. (Und das bereits nach einer kurzen Strecke von so gut 70km)
Als es dann nochmals ganz leicht aufwärts geht, lasse ich beim "grünen Männchen" wieder abreissen. Wir werden uns nochmals sehen!

Die letzten Kuhweiden liegen hinter mir und es geht nochmals über eine Asphalt-Strasse zur letzten Verpflegung. Ein Becher Cola, dann weiter. Nun gehts nur noch abwärts bis ins Ziel. Irgendetwas passiert nun mit mir. (Ist es das Koffein oder einfach Stalldrang?) Auf jeden Fall nehme ich den Downhill in Angriff als gäbe es kein morgen. Der Trail erinnert mich an den Abstieg beim 1000er-Stägli und da habe ich ja nun wirklich genügend trainiert! Ich überhole rasch zwei Läufer und laufe dann (siehe da) aufs "grüne Männchen" auf. Dieser will mich überholen lassen, ich winke aber ab. (Ich lege mir folgenden Satz zurecht, spreche ihn dann aber nicht laut aus: "Je te passe vingt mètres avent le fin!") Als die Strecke ein paar hundert Meter später vom Singletrail auf breite Waldstrasse übergeht, ist es ums "grüne Männchen" geschehen und ich lasse ihn stehen. Als nächstes taucht der "Rehlein-im-Walde"-Läufer vor mir auf. Auch ihn lasse ich stehen, wir er es vor 60 Minuten mit mir gemacht hat. Jetzt bin ich im absoluten "Race"-Modus und im Flow!

Hochs und Tiefs bei Ultras liegen aber eng zusammen. Bei der -3km-Tafel hüpfe ich über einen Graben und Krampf in beiden Oberschenkeln. Tja, Endspurt definitiv zu früh angezogen! - Doch nun stoppt mich nichts mehr. Der heutige Mann ist vorbereitet. Mit der Atemtechnik aus dem Geburtsvorbereitungskurs bekommen wir auch das in den Griff. Einatmen-pressen-ausatmen, einatmen-pressen-ausatmen. Passage der 2km-Tafel. Ich habe noch rund 15 Minuten für den 10h-Finish. Ohne weitere Krämpfe klappt das, mit Krämpfen wird es Scheisse. Ich komme aus dem Wald auf die Haupstrasse. Das passiere die Ortstafel von Couvet. Vorne sehe ich die 1km-Tafel. Hinten, oh Schreck, das "grüne Männchen". Jetzt wird's persönlich.

Die letzen paar hundert Meter durchs Dorf. Ich kann den Speaker beim Sportzentrum schon hören. Ich werde es schaffen! Unter 10 Stunden und vor dem "g. M."! Die Feuerwehr stoppt mir den Weg über die Hauptstrasse frei. Ein roter Teppich wäre nicht besser. Dann Einlauf ins Stadion und unter dem Zielbogen durch. "Martin Hochuli, treizième de son catégorie". Ich bin 30er geworden. Zeit 9:54:47.Die 2 UTMB-Quali-Punkte sind ebenfalls im Trockenen. Yess!


Das Danach
Ich lege mich auf die Wiese und mache einige Dehnübungen. Körperlich scheint soweit alles in Ordnung. Nur am rechten Fuss habe ich einen Schmerz hinter dem grossen Zeh, welchen ich nicht richtig deuten kann. Ich wechsle kurz die Kleidung und mache mich dann auf den Heimweg. Geduscht wird zu Hause. Auf der Heimfahrt fällt mir die Lösung für mein GPS-Problem ein. Ich muss einfach auf Modus "Im Gebäude verwenden" stellen. Sag ich doch immer: Hast Du ein Problem, geh joggen und du hast nach spätestesns 10 Stunden die Lösung!

Die Fahrt verläuft ohne Probleme und vor allem ohne Blitzer. Zu Hause dann der spannende Moment beim Socken ausziehen. Erfreulicherweise keine Blasen oder fehlende Zehennägel. Die Zehensocken haben sich ein weiteres Mal bewährt. Der Schmerz am linken Fuss kommt anscheinend von einer Druckstelle des Schuhs. Für diesen Lauf kein Problem. Beim 24 Stunden Eiger Ultra Trail sieht das dann vielleicht etwas anders aus.

Lessons learned
- Geduld und Disziplin bringen den Finish
- Der Einsatz von GPS und HF-Messer ist noch unbefriedigend. Allerdings hat mir das GPS nicht viel gebracht und das Fehlen der HF war nicht besonders tragisch. Was mir wirklich geholfen hat, war die Höhenprofilkarte im Hosensack. Anhand dieser habe ich mich orientiert und das Rennen eingeteilt.
- Verpflegung und Flüssigkeitszufuhr dürfen nicht vernachlässigt werden. Je länger die Distanz, desto wichtiger dieser Faktor.
- "Treizième" heisst 13. nicht dreissigster!


Sonntag, 1. Juni 2014

Der "Drei Antennen-Lauf"

Im Geschäft läuft es momentan tiptop, sportlich ist es härter. Seit dem "Wings for life World Run", hatte ich Schmerzen an der linken Fusssohle und wusste nicht wie so. Nach dem "Ultra Bielersee" war zudem meine linke Wade total verhärtet. Da die Fusssohle einfach nicht besserte, habe ich einen Physio-Termin vereinbart. Miguel knetet dann prompt eine Verhärtung tief im Wadenmuskel und knetet mir diese unter Schmerzen (für mich) raus. Ich werde ab sofort meine Dehnübungen täglich machen!!!

Die Rahmenbedingungen also momentan nicht ideal zum trainieren. Die Saison naht aber und ich brauche noch Kilometer und vor allem auch Höhenmeter. Also will ich am Samstag Abend wieder mal einen langen Lauf machen. ich habe mir dafür den "Drei Antennenlauf" vorgenommen. Die Route führt von Aarau über das Roggenhusen weiter bis zum Sendemast Engelberg oberhalb Walterswil. Dann weiter über das Säli Schlössli nach Olten. Dort gibt es etwas vor Streckenhälfte die Möglichkeit "aufzutanken", bevor es hoch zur Frohburg geht, wo die zweite Antenne steht. Dann alles über die Jurahöhen bis zum Sendemast Wasserfluh. Dann der Abstieg zurück nach Aarau. Insgesamt etwa 48km mit 1700 Höhenmeter Auf- und Abstieg. Ich rechne mit einer Laufzeit von ca. 6.5h.


 Da Silvia am Samstag an einem Kurs ist, muss ich hüten und kann erst vor 17:00 Uhr in Aarau starten. Es ist super Wetter und als ich mit "Vollpackung" und Trekking-Stöcken der Aare entlang laufe, schauen mich die Leute teilweise etwas komisch an. Nach wenigen hundert Metern bin ich dann aber alleine unterwegs und es geht in den Wald Richtung Roggenhusen. Ich versuche bewusst defensiv zu laufen, damit ich nicht zu früh meine Energiereserven unnötig verschleudere. Die Garmin Fenix-Uhr funktioniert nicht richtig und die Route wird nicht angezeigt. Zudem fällt sie immer wieder in den Energiesparmodus und dann wird die Pulsmessung nicht mehr angezeigt. Die Bergaufstrecken marschiere ich alles und habe dann Zeit, mit der Uhr zu experimentieren. Im Roggenhusen hat es dann nochmals Leute, danach treffe ich bis Olten fast niemanden mehr an.

Die Uhr ist das eine, mein Körper das andere. Da die Fusssohle immer noch schmerzt, laufe ich wahrscheinlich nicht genau symmetrisch. (Oder weil ich nicht symmetrisch laufe, schmerzt die Fusssohle?) - Auf jeden Fall zwickt es mich auch schon bald in der linken Hüfte. Nach so 12km frage ich mich, wie ich auf die Idee gekommen sein kann, mich für den Eiger Ultra Trail anzumelden. Bis jetzt bin ich immer davon ausgegangen, dass ich diesen schaffen kann. Heute habe ich Zweifel, dass ich auch nur bis zur Hälfte kommen werde. - Die Zweifel bringen mich aber nicht weiter und so beschäftige ich mich gedanklich mit anderen Themen. Auch mit der Uhr übe ich weiter und finde heraus, dass einfach nicht die gesamte Route drauf ist und die Navigation etwas später funktionieren wird.

Ganz hinten ist die Antenne "Engelberg" zu erkennen.

Ich marschiere recht viel, was mir eigentlich passt. Allerdings habe ich dann das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen. Etwa jede Stunde konsumiere ich einen Energie-Gel, damit mir der Brennstoff nicht ausgeht. Ein Snicker-Riegel muss auch dran glauben. Wichtig ist auch eine konstante Flüssigkeitsaufnahme. Die Teilstrecke vom Grod zum Engelberg bin ich schon mal in der Gegenrichtung gelaufen. Trotzdem verpasse ich eine Abzweigung und verlasse die geplante Route kurz. Ich merke es rasch und dank Papierkarte und mittlerweile vorhandenem GPS-Track bin ich bald wieder auf Kurs.


Das Wetter ist sensationell und bevor mit der ersten Antenne in naher Sichtweite, komme ich an eine Stelle, wo ich auch meine Retourroute mit den Sendestationen Frohburg und Wasserfluh überblicken kann. Ich habe noch nicht ganz einen Drittel geschafft und es macht ziemlich Eindruck, wenn man sieht, wohin es heute noch gehen soll. Nach rund zwei Stunden dann also der erste Höhepunkt: Antenne 1 "Engelberg" ist abgehakt.


Tja, so richtig spritzig bin ich nicht und ich überlege mir, direkt nach Olten zu laufen, ohne den Umweg über das Säli Schlössli. Beim Eiger Ultra Trail gibt es aber auch keine Abkürzung, deshalb gibt es die auch heute nicht. Zudem brauche ich trainingshalber möglichst viele Aufstiegs- und Abstiegshöhenmeter und da gibt es beim Säli ein paar. Zuerst aber runter vom Engelberg. Teilweise ist es sehr steil und rutschig. Ich bin froh um die Stöcke. Richtig schnell bin ich aber auch hier nicht. Zum Schlössli hoch ist es dann ziemlich hart und ich muss aufpassen, dass ich mich nicht zu fest verausgabe. Die Strecke ist noch weit!


Der Abstieg dann ziemlich tricky. Die Muskulatur wird ordentlich beansprucht und ich habe Angst, dass ich Krämpfe bekommen könnte. Ich fühle mich nicht gut und bin etwas frustriert. Dann komme ich in Starrkirch-Wil wieder in bewohntes Gebiet. Überall laufen die Grills auf Hochtouren und die Leute geniessen den schönen Sommerabend. Ich frage mich, ob ich irgendwie im falschen Film bin. Ich laufe nicht gerne mit der Trail-Voll-Ausrüstung durch bewohntes Gebiet. Zudem schmerzt immer noch die linke Hüfte, wenn ich renne. Ich versuche möglichst gleichmässig und schonend vorwärts zu kommen. Dann endlich der Bahnhof Olten in Sichtweite. Etwas um 19:30 Uhr erreiche ich dieses Etappenziel. Ganz kurz überlege ich, im Zug zurück nach Aarau zu fahren. Die Idee wird aber sofort geschredert. Ich habe Toiletten-Drang und suche deshalb zuerst eine solche auf. Nachher geht es mir schon viel besser. Dann 2l Wasser und eine Tüte Erdnüsse kaufen. Ich setze mich beim Busbahnhof auf eine Bank und fülle meine Flaschen. Ich will mir Zeit nehmen, dann kommt aber die Einsicht, dass ich besser marschiere und die Erdnüsse esse, als hier auf der Bank zu dinieren. Also alles wieder gepackt und über die Aare weiter. Diese Strecke kenne ich von meinem letzten Lauf Aarau-Olten.


Durch die Stadt geht es im leichten Laufschritt, dann beginnt der Aufstieg von fast 500m auf die Frohburg bzw. noch etwas weiter. Für Jura-Verhältnisse ist das ein ordentlicher Aufstieg. Im alpinen Gelände können gibt es locker die dreifachen Höhenmeter am Stück. Ich versuche auch hier, die Herzfrequenz im Griff zu behalten und halt nötigenfalls das Tempo etwas zu drosseln. Über die Ruine Frohburg geht es weiter zum zweiten Höhepunkt: Der Antenne Frohburg. Diese sehe ich täglich auf meinem Arbeitsweg aus der Ferne. Wenn man dann davor steht, ist es schon noch ein imposantes Getüm.


Die Sonne geht nun unter und auf den Höhen wird es frisch. Ich störe ein Reh beim äsen. Als ich den höchsten Punkt erreicht habe, bin ich zwar froh, ich fühle mich aber nicht unbedingt besser. Ich entscheide mich für eine kurze Pause mit Tenüwechsel und Verpflegung. Ich wechsle auf das wärmere Thermo-Shirt für die Nacht. Zudem werden Dächlikappe und Sonnenbrille gegen die Stirnlampe ausgetauscht. Ich will dieses mal nicht wieder zu spät aufs Licht wechseln und deshalb auf die Schnauze fallen wie letzthin. Ich probiere eine neue Geschmacksrichtung des Energie-Gels. "Mango-Passionsfrucht". Was sich im Laden so unwiderstehlich angehört hatte, erweist sich im Geschmackstest als gewöhnungsbedürftig. Egal, die Energie bringt er trotzdem. Letzte Woche habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass die Jura-Kühe und Pferde sich sehr interessiert zeigen, wenn man in ihre Weiden eindringt. Deshalb keine Überraschung mehr, als die ganze Herde auf mich zu rennt, als ich die erste Weide betrete. Sobald man dann die Hand ausstreckt, weichen die Viecher zurück. Meine Stöcke geben mir zusätzlich etwas Sicherheit.


Gespannt bin ich dann auf die nächste Weide, denn dort waren letztes Mal vier Pferde drin und die waren wirklich lästig, als sie im Galopp auf mich zu kamen. - Ich bin auf alles gefasst. Aber siehe da, die Weide ist leer. - Zu früh gefreut, meine vier "Kameraden" sind nämlich zusammen mit einer Kuhherde in der nächsten Weide. Hier müsste ich mittendurch und da habe ich jetzt keine Lust. Kühe und Pferde zusammen kann ich nicht einschätzen. Also aussenrum auf Sicherheit. Als Belohnung für den kleinen Umweg sehe ich einen Feldhasen über die Wiese hüpfen. Wunderschön.

Auf den offenen Wiesenflächen geht es noch ohne Lampe. In den Wädern ist es aber schon düster. Ich versuche auf den flachen und bergab Stücken zu laufen. Da es aber viele Steine hat und sehr uneben ist, mache ich lieber langsam, da ich nicht riskieren will umzuknicken. Ich bin im wahrsten Sinne dort, wo Fuchs und Hase einander "Gute Nacht" sagen. Einen Fuchs treffe ich nämlich wenig später an. Menschen habe ich seit bald zwei Stunden keinen mehr gesehen. Wenn das Terrain gut ist, komme ich im leichten Laufschritt gut voran. Irgendwo zwickt es dann zwar immer, das ist aber erträglich und wird nicht schlimmer. Die Füsse fühlen sich gut an und sich glaube es gibt keine Blasen oder so. Bevor ich zur Schafmatt komme, überlege ich mir wieder eine Abkürzung über Erlinsbach nach Aarau. - Aber auch diese Idee wird gleich wieder verworfen.

So nehme ich den letzten "grösseren" Aufstieg von knapp 200m auf die Geissflue in Angriff. Dies ist dann der höchste Punkt der Strecke und nachher sind es auch nur noch etwa 12km, welche ich recht gut kenne. Am Horizont Richtung Frankreich ist noch ein schönes Abendrot zu sehen. Ich muss mich aber auf den Weg konzentrieren. Wenn ich mich hier bei einem Sturz verletze, wird es sehr mühsam. Da ich mich auf den Boden und nicht auf die Wanderweg-Zeichen konzentriere, verlaufe ich mich kurz. Interessanterweise finde ich das aber eher interessant als ärgerlich und finde mit Karte und GPS rasch weider auf den richtigen Weg. Dann bin ich auf der Saalhöhe. Ich will eine kurze Rast auf einem Bänkli machen und meine Lage analysieren. Da kein Bänkli kommt, laufe ich einfach weiter und analysiere währenddem. Gemäss Wanderwegweiser benötige ich etwa 30 Minuten bis zur Wasserfluh und nachher nochmals ca. 1h bis Aarau. Das würde bedeuten ungefähr um Mitternacht, nach mehr als 7h unterwegs beim Auto zu sein. Okay, packen wir es an!


Auf der Strecke zwischen Saalhöhe und Wasserflue komme ich richtig in den Flow. Der Single Trail führt immer leicht hoch oder runter und ist von der Bodenbeschaffenheit ziemlich anspruchsvoll. Laufen geht nicht in der Nacht, dafür ein rasches Hiking mit viel Stockeinsatz. Es gibt nur noch mich und den Weg. Keine sonstigen Gedanken mehr. Einfach geil! - Dann hake ich die dritte Antenne "Wasserfluh" ab. Wir oft hatte ich das blinkende Licht schon aus der Ferne betrachtet. Nun sitze ich genau drunter!

Das Ziel ist aber noch nicht erreicht und ich weiss, dass der Rückweg noch rund eine Stunde dauert. Mit teilweise technisch anspruchsvollem Abstieg. Also nehme ich mir drei Minuten Zeit zum trinken und einen letzten Energie-Gel. Nicht das mir kurz vor dem Ziel der Saft ausgeht.


Die Muskulatur macht besser mit als erwartet und ich habe keine Probleme mit Krämpfen. Die Strecke hier kenne ich gut und deshalb funktioniert es auch mit der Orientierung gut. Ich bin körperlich nicht mehr ganz frisch, mental dafür nun endlich auf der Höhe und so komme ich gut vorwärts. Die letzte Stunde geht rasch durch und genau als die Uhren Mitternacht schlagen, komme laufe ich über die Kettenbrücke. Die Stoppuhr bleibt bei 7:20h und rund 48km stehen. Ab nach Hause, Duschen, Essen, Schlafen.

Lessons learnt:
- Den Ultracs-Modus der Garmin habe ich nicht im Griff. Ich muss rausfinden, wie lange die Batterie hält, wenn ich mit GPS und Herzfrequenz laufe. Wahrscheinlich muss ich mich für den Eiger Ultra Trail auf eines fokussieren.
-Es braucht viel Geduld für solche Läufe. Entscheidend für einen erfolgreichen Finish ist, dass man sich nie verausgabt und stets vorwärts kommt. Es gilt auf jeden Fall Verletzungen oder Überbelastungen zu vermeiden.

Samstag, 17. Mai 2014

Hochmut kommt vor dem Fall - Ultra Bielersee 50km 2014

Ob es sinnvoll ist, vor einem Ultra einen gemütlichen Bierabend mit einem Freund zu machen?
oder
Ob 8 Stunden Schlaf vor dem Rennen besser wären als 6 Stunden?
oder
Ob es sinnvoll wäre, einen Kohlehydrate-Drink während dem Rennen zu konsumieren oder beide Flaschen mit Wasser zu füllen?
oder
Ob es sinnvolle wäre, bekannt neuralgische Punkte an den Füssen gegen Blasen abzutapen?
oder
Ob es besser ist, eine realistische Pace von Beginn zu laufen und diese dann durchzuhalten, statt am Anfang einfach mal Gas zu geben?
oder
Was bringt eine 350.- CHF-GPS-Pulsuhr, wenn man die Werte ignoriert?

Darüber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. - Ich hab's einfach mal getestet.

Heute hatte ich eine Premiere. Der Ultra Bielersee (UBS) ist nämlich das erste Rennen, welches ich in meiner noch kurzen Laufkarriere (knapp 2 Jahre), zum zweiten Mal laufe. Das hat den Vorteil, dass man etwas weiss, was einem erwartet. Der Nachteil ist, dass man die eigenen Erwartungen natürlich auch hochschraubt und es könnte sogar sein, dass man das Rennen beim zweiten Mal etwas unterschätzt. Vor einem Jahr hatte ich vor dem UBS eine ziemlich harte Erfahrung am Zürich Marathon gesammelt, als ich zu schnell gestartet war und dann nach 25km eingebrochen bin. Das Ziel am UBS 2013 war folglich, gleichmässig zu laufen und unter 5h für die 50km ins Ziel zu kommen. Ich hab dann 5x10km jeweils leicht unter einer Stunde abgespult. Beide Ziele waren erreicht und nachher hatte ich keine Beschwerden und habe mich gut gefühlt.

 UBS 50km-Track

Dieses Jahr war ich noch im Hoch vom "Wings for life World Run" (WFLWR). Ich hatte das Gefühl, dank guter Form Training und einem Plus an Erfahrung, könnte ich die 50km rund 15 Minuten schneller abspuhlen. - Ehrlich gesagt, hatte ich mich in den letzten Tagen ein paar Mal gefragt, ob ich das Ganze nicht etwa ein wenig unterschätzen würde. Aber nein. Letztes Mal war tiptop und dieses Jahr wird es gleich, einfach ein wenig schneller!

Das spontane Feierabend-Bier am Freitag mit Schelbi war eine super Sache. Wir haben auch absolut nicht übertrieben. Den Handy-Toast im Piwi kann man nicht gerade Carbo-loading nennen. Aber was solls, Ultra-Läufer leben eh von ihren Fettreserven. Ich kam auch vor Mitternacht ins Bett. also alles in Ordnung.

Am Samstag um 6:00 war dann Tagwache. Alles bereitmachen, damit ich mich um 700 auf den Weg machen kann. Ich ziehe wieder die Zehensocken an, welche sich beim WFLWR gut bewährt haben. Ich lache innerlich, was ich vor einem Jahr noch alles abgetapt habe an den Füssen. Das lassen wir heute mal einfach sein. Ich fülle die beiden Trinkflaschen mit Wasser und verzichte noch auf die Beigabe des Kohlehydratepulvers, da die Flaschen nicht 100% dicht sind und ich keine Sauerei in der Sporttasche will. Das Pulver kann ich dann vor dem Start noch reintun. Bei den Schuhen bin ich noch unschlüssig zwischen dem Kayano und dem GT-2000, welchen ich letztes Jahr gelaufen bin, der mir aber beim Bieler Probleme gemacht hat. Ich probier dann doch den GT-2000 und merke sofort, dass der bis zu weit hinten gebunden wird und mir deshalb eine Druckstelle am Fussgelenk macht. Also Schnürung zurückfädeln und der Schuh ist gewählt.Pünktlich um 700 fahre ich aus der Garage. - Ein Beutel Kohlehydrate-Pulver freut sich derweil still und heimlich im Küchenschrank. Er wird den heutigen Tag überleben und muss erst beim nächsten Rennen wieder Angst haben!


Vor 800 bin ich in Biel bzw. Nidau (gäll Fabienne) und hole meine Startnummer. Dann warten bis zum Start um 900. Ich laufe mich ein paar wenige Meter ein und besuche noch kurz die Toilette. Ich verdrücke noch einen Energie-Gel, welcher dem Handy-Toast in der Startphase unter die Arme greifen soll. Beide Flaschen gefüllt mit "Stillem Wasser" ohne Nährwert oder irgendwelchen Mineralien oder sonst etwas hilfreichem. - Letztes Jahr bin ich demütig zu hinterst in die Startaufstellung eingestanden. Dieses Jahr stelle ich mich selbstbwusst halb vorne hin.

Pünktlich um 900 kommt ruhig der Startaufruf. Uhr einstoppen und loslaufen. Mangels Damen in meinem Geschwindigkeitsbereich, hänge ich mich an einen älteren Läufer mit schwarzem "The Wayve"-Shirt => er ist vor anderthalb Jahren solo 111km um den Zürichsee gelaufen. Das funktioniert tiptop mit einem Kilometer-Schnitt von leicht über 5 Min/km. Mein Puls ist auch schon bald leicht über 170BPM und meine Unterbewusstsein spielt mir zwei/drei-Mal ein: "Möderisches Tempo". "Nein, nein, Unterbewusstsein, das ist doch nicht mörderisch, das können wir. Bei WFLWR hat es auch funktioniert!" (Anmerkung der Redaktion: Ja., aber nur 28km. Heute stehen aber 50km auf dem Programm)

Wettbewerb:

Kurze Erklärung verschiedener Laufarten:
1.) Lauf nach fixer Zeit
Beispiel: 6-/12-/24-/48-Stundenläufe
System: Alle Läufer laufen während einer fixierten Zeit so weit wie möglich. Rangliste gemäss zurückgelegter Strecke. 
Konsequenz: Wenn man zu schnell startet und einbricht, macht man eine Pause oder bricht ab und lässt die Zeit einfach runterlaufen. Das Rennen dauert genau gleich lang.

2.) "Jagd"-Rennen
Beispiel: Wings for life World Run
System: Die Läufer starten und erhalten einen Vorsprung. Dann werden sie von einem Auto verfolgt. Wenn ein Läufer vom Auto eingeholt wird, ist das Rennen für ihn vorbei und die bis dahin gelaufene Distanz wird gewertet.
Konsequenz: Wenn man zu schnell startet und einbricht, läuft man langsamer oder hält an und wartet auf das Auto. Das Rennen wird dadurch natürlich kürzer.

3.) Klassisches Distanz-Rennen
Beispiel: 10km, Halbmarathon, Marathon, Ultramarathons
System: Die Läufer laufen eine vorgegebene Strecke möglichst schnell ab. Der Schnellste gewinnt.
Konsequenz: Wenn man zu schnell startet und einbricht, dauert das verdammte Rennen immer länger, da man nicht mehr vom Fleck kommt!

Wettbewerbsfrage:
Bei welcher Laufart ist es besonders idiotisch, wenn man zu schnell startet und dann einbricht?
1. Preis:  Eine Stange Bier und ein Handy-Toast im Pickwick-Pub
2. Preis: Ein Beutel wasserlösliches Kohlehydrate-Pulver originalverpackt aus dem Küchenschrank
3. Preis: 20cm ungebrauchtes Tape-Band

Ja, schon klar. Die Frage ist nicht schwer zum beantworten. - Probiert das aber mal mit Schlafmangel, Restalkohol, Puls 174 und Rennfieber. Da sieht die Sache nicht mehr so eindeutig aus!

Auf jeden Fall habe ich es dann nach 5km bei einem kurzen bergab Stück laufen gelassen und meinen Pacemaker überholt. Dann ging eigentlich alles gut bis km10. Wetter passte, Landschaft toll. 


Bei km11 habe ich dann das Gefühl, dass sich an seitlich der Ferse am rechten Fuss eine Blase bilden könnte. Die Stelle würde passen und ohne Tape wäre es auch keine grosse Überraschung. Ich rechne mir immer noch aus, welch tolle Halbmarathon- und Marathon-Zwischenzeit ich heute laufen werde. Ja, die Pulswerte finde ich schon etwas hoch, aber was solls.

2014:

2013: (die ersten 2km sind Fehlmessungen weil der Pulsgurt trocken war)

Bei km19 ist wieder eine Verpflegungsstation. Ich hab ja meine Wasser pur und laufe daran vorbei auf die St. Petersinsel. Den Halbmarathon (21km) laufe ich in 1:48h. Das hatten wir doch schon mal. Letztes Jahr am Zürich-Marathon hatte ich die selbe Zeit. Leider bin ich danach eingebrochen und ich benötigte für die zweite Hälfte 12 Minuten länger. - Aber heute wird es anders sein! Die Bise, welche in Laufrichtung Süd-West als Rückenwind unterstützt hat, kommt nun genau von vorne. Ich hänge mich erst in den Windschatten von zwei anderen Läufern, muss diese dann aber wenig weiter ziehen lassen. Ich bin nun alleine und immer noch zufrieden, obwohl es langsam anstrengend wird. Beim Kloster marschiere ich ein paar Schritte, dann geht es zurück Richtung Erlach. Hier kreuzt man die Läufer, welche noch raus laufen und ich freue mich, dass ich schon auf dem Rückweg bin. - Wie viele von denen ich nochmals begegnen werde, ahne ich noch nicht. Bevor ich wieder zum Verpflegungsposten Erlach bei km29 komme, merke ich dass meine Batterien irgendwie leer sind. Ich beschliesse, bei der Verpflegung die Flaschen zu füllen und nachher ein paar Meter zu marschieren. Dies mit dem Ziel, dass der Puls auf unter 140Schläge fällt und ich etwas regenerieren kann. 


Mit Erstaunen/Schrecken stelle ich fest, dass der Puls einfach nicht mehr so weit runter will (bei 142 ist fertig). Als mich dann der erste Läufer überholt, verliere ich die Nerven und beginne auch wieder zu laufen. Es fühlt sich aber gar nicht toll an! - Bis zum Thielle-Kanal gibt es wenigstens wieder Rückenwind. Ab dann nur noch Gegenwind. Ich habe leichtes Seitenstechen und mag nicht essen und trinken. Ich fühle mich verspannt und habe das Gefühl, dass mich bald alle einholen werde und ich der schlechteste Läufer bin. Kurz: Panik!

Das ist ja das interessante an Ultras: Irgendwann kommt die Krise und dann muss man damit umgehen. Also analysiere ich die Situation. Ich habe mir ein blödsinnig hohes Ziel gesteckt, habe das falsch (zu schnell) angegangen und meine Reserven unsinnig und zu früh aufgebraucht. Nun habe ich immer noch so ein Wettkampf-Fieber drin, obwohl es nur ein Trainingslauf ist, welcher sogar noch Spass machen könnte.- Nun also einmal den Reset-Knopf drücken und neu aufstarten. - Bis auf kleine Wehwechen funktioniert alles noch, ich habe bereit über 30km und in 2 Stunden sollte es zu beenden sein. Mein letztjähriges Ziel war unter 5 Stunden zu laufen. Das kann ich ja auch jetzt wieder als Ziel nehmen. Die Rangierung spielt keine Rolle, die Rangliste schaut eh niemand an und niemand kennt mich hier.

Mit dem geänderten Mindset geht es bald besser und auch das Seitenstechen geht weg. Der Puls bleibt aber hoch und ich gebe die Hoffnung auf, dass sich das bis Rennende noch wesentlich ändern wird. Bei km35 entscheide ich mich, einen Kilometer bis zur nächsten Verpflegung zu marschieren. Dort setze ich mich kurz hin und schütte die kleinen Steinchen aus den Schuhen, welche sich angesammelt haben. Dass ich hier auch einen Becher Cola trinken könnte, checke ich nicht. Als ich wieder weiterlaufe, ist irgendwas in den Schuhen verrutscht, dadurch laufe ich nicht mehr ganz symmetrisch und nach kurzer Zeit kriege ich rechts Wadenkrämpfe. - Jetzt wird es ja wirklich heiter. Ich kämpfe mich weiter und schaffe den Marathon statt mit Fabelzeit, gerade mal in ein paar Sekunden unter 4 Stunden. Nicht glanzvoll!

Geschwindigkeits-Diagramm: (schneller Start, böser Einbruch)

Auf dem weiteren Weg beobachte ich Nordic Walker, Windsurfer, Kitesurfer, Taucher und Petanque-Spieler. Ich überlege mir, ob ich die Sportart wechseln soll. Die meisten Alternativen sind mir aber zu nass. Mit der Zeit habe ich einfach Freude, wenn ich einen kleinen Schritt am anderen laufen kann. Beide Waden stehen aber immer kurz vor dem Krampf und es ist wirklich ein Krampf. Ich kann fast niemanden überholen und werde dauernd selber überholt. Tja, da wäre es einfacher gewesen, von Anfang her etwas weiter hinten zu sein. Ich mach mir jetzt aber keinen Druck mehr und probiere noch ein paar Mal den Wechsel vom marschieren aufs laufen, da dies etwas tricky ist und Krämpfe provoziert. Als ich sehe, dass ich unter 5 Stunden bleiben werde, marschiere ich den 49. Kilometer ganz. Den Letzten will ich laufen, muss aber mehrmals wegen Krämpfen unterbrechen. 

Da vorne ist das Ziel:

So wird es doch nochmals knapp. Ich schaffe es dann aber nach 4:58 ins Ziel und setze mich erst mal hin. Dann direkt ins Auto und ab nach Hause. Die Schuhe ziehe ich erst dort aus. Die 11km Blase ist mittlerweile auf Typ "2-Fränkler" angewachsen. Ich schneide sie erst nach dem Duschen auf, dann gibts weniger Schmerzen. Sonst sind Füsse und Zehen in Ordnung.

Als ich die Daten aus der Pulsuhr auf den PC lade, geht es mir schon wieder besser. So ein 50km-Track sieht einfach cool aus und ist doch eine gute Samstagsbeschäftigung! - Und der Laufbericht wird glaube ich auf unterhaltsamer, wenn man den Lauf versemmelt hat.

Auf jeden Fall habe ich wieder einiges gelernt (falls ich es das nächste Mal noch weiss):

- Ein Ultra ist kein Ponyhof und auch kein Kindergeburtstag. Auch wenn der UBS praktisch flach ist, muss er trotzdem zuerst gelaufen werden.

- Langsam starten und gleichmässig fertig laufen!
- Langsam starten und gleichmässig fertig laufen!
- Langsam starten und gleichmässig fertig laufen!

-Vorbereitung gewissenhaft machen!

Ich habe mir vorgenommen, bis zum Eiger Ultra Trail keinen Alkohol mehr zu trinken. Es geht dabei weniger um den Alkohol, als mehr darum, mich klar zu "committen", das ding erfolgreich zu beenden! - Ich kann mir zwar vorstellen, dass es zur sozialen Ausgrenzung führt, wenn man:
1.) Keinen Alkohol trinken will (=>komischer Typ)
und 

2.) Dies damit begründet, dass man innerhalb von 24 Stunden, 101 km ums Grindelwaldnertal rennen will. (=> "Der hat ja echt einen weg!"¨)

Nächste Station der Défi Val-de-Travers am 14. Juni. Dann geht es endlich in die Berge! Mal sehen wie das inzwischen klappt!

Mittwoch, 14. Mai 2014

Saisonplanung 2014

Ich habe mir für das Jahr 2014 ein ambitiöses Ziel gesetzt. Ich möchte die notwendigen 8 Quali-Punkte für den Ultra Trail Mont Blanc (UTMB) erlaufen. Damit könnte ich mich 2015 oder 2016 für den UTMB anmelden und falls ich das notwendige Losglück habe, auch starten.

Die 8 Punkte müssen mit maximal 3 Rennen erlaufen werden. Mein Plan sieht wie folgt aus:

14. Juni: Défi Val-de-Travers / 74km / 2920 Hm / 2 UTMB-Punkte
Défi International Val-de-Travers



19. Juli: Eiger Ultra Trail / 101km / 6700 Hm / 3 UTMB-Punkte
Eiger Ultra Trail Grindelwald

Höhenprofil Eiger Ultra Trail E101


16. August: Mountainman Ultra / 80km / 5000 Hm / 3 UTMB-Punkte

Ansonsten habe ich mich bereits für folgende Rennen angemeldet:

17. Mai: Ultra Marathon Bieler See / 50km:
Ist ein schöner, flacher, gemütlicher Lauf um den Bielersee (inkl. St. Petersinsel) und dient mir als langer Lauf und Formtest.

30. August: Sardona Trail Halbmarathon:
Dieser Lauf soll das Dessert meiner diesjährigen Trail-Saison werden. Ich habe mich gemeinsam mit einem guten Freund angemeldet und wir wollen einfach einen guten Tag zusammen verbringen (und vorher/nachher ein paar Bier trinken).

Allenfalls laufe ich im Herbst dann noch den Swiss City Marathon und den Frauenfelder Marathon. Die beiden Rennen haben mir 2013 Spass gemacht. 

Wie realistisch es für mich ist, innerhalb von zwei Monaten, drei Ultra-Trail-Läufe erfolgreich zu finishen, weiss ich nicht. Ich denke grundsätzlich sollte es möglich sein. Es müssen aber einige Faktoren zusammenspielen, dass es schlussendlich aufgeht. Am meisten Respekt habe ich natürlich vor dem Eiger Ultra Trail. Ich rechne da mit einer Laufzeit zwischen 20 und 24 Stunden. Also etwa doppelt so lange, wie letztes Jahr am Bieler 100km-Lauf. Das sind zeitlich völlig neue Dimensionen und wenn man bedenkt, dass ca. 45km der Strecke auf einer Höhe von über 2000müM liegen, dann studiert man besser nicht viel länger dran herum.- Auf jeden Fall werde ich nachher um viele Erfahrungen reicher sein.

Betreffend Training versuche ich vor allem, genüngend Höhenmeter (aufwärts und abwärts) zu machen. Die Geschwindigkeit bei diesen Ultratrails ist nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist, dass die Muskulatur die Belastungen aufwärts, aber vor allem auch abwärts, aushalten kann. Entscheidend wird auch sein, ob es mir gelingt, während den Rennen genügend Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen.

Auf jeden Fall bin ich wahnsinnig gespannt, ob und wie mir die Umsetzung meiner Pläne gelingen wird!


Dienstag, 6. Mai 2014

Wings for Life World Run - No Risk, no Fun!

Wie weit kann ich kommen?
Als ich mich vor vielen Wochen für den Wings for Life World Run angemeldet hatte, sah ich dieses Rennen einfach als gute Trainingsmöglichkeit praktisch vor der Haustüre. Gereizt hatte mich, dass dieses Rennformat mit der "beweglichen Ziellinie", zum ersten Mal stattfand. Super ist, dass die Einnahmen für einen guten Zweck verwendet werden. Interessant auch, dass der Wettkampf in über 30 Länder weltweit parallel stattfindet.

Durch das Trainingsprogramm, welches ich im Verbund von bluewin.ch, bootcamper.ch und on-running.com absolvieren konnte, hat sich der Fokus vom einfachen Trainingslauf, zu einem für mich ziemlich seriösen Rennen verlagert. Viele Male hatte ich mit dem Distanzrechner auf www.wingsforlifeworldrun.com gespielt. Dabei sind 3 Szenarien rausgekommen:

1.) Ich laufe einen Schnitt von 5:04min/km während 2h07min und schaffe so 25km
2.) Ich laufe einen Schnitt von 5:00min/km während 2h15min und schaffe so 27km
3.) Ich laufe einen Schnitt von 4:50min/km während 2h30min und schaffe es bei 31km über die Holzbrücke in Murgenthal

Szenario 1 hatte ich als offizielles Ziel angekündigt. Obwohl ich noch nie ein solch langen Lauf mit dieser Geschwindigkeit gelaufen war, erachtete ich dies als realistisch und machbar.

An Szenario 2 war eigentlich nur der "runde" Kilometerschnitt von 5:00 interessant. Bei flachen Ultras versuche ich unter 6:00/km zu bleiben. 5:00 ist eigentlich zu schnell für mich.

Wirklich emotional wurde es bei Szenario 3. Ich habe schon in Murgenthal gewohnt und kenne die altehrwürdige Holzbrücke. Zudem ist das der Punkt, wo man in meinen Heimatkanton Aargau kommt. Also innerlich für mich das absolut reizvollste Ziel! - Nur war ich mir ziemlich sicher, dass ich niemals 2h30min mit einem Schnitt von 4:50/km laufen könnte.

 Mein Zielbogen?

Was also tun? - Ich musste mal rausfinden, wie es sich anfühlt, so schnell zu laufen. Also habe ich mich eine Woche vor dem Wings for Life World Run, für den Aargauer Volkslauf angemeldet. Dort bin ich über die 10km Strecke gestartet. Ziel hier: Unter 50 Minuten finishen. - Das Resultat: 46:44, das heisst ein Schnitt von 4:41/km. Ich kann also so schnell rennen, das Problem war nur, dass ich nach diesen 10km total am Ende war. Insgeheim habe ich aber den Verdacht, dass die Strecke so 300m länger war. Das würde heissen mein Schnitt läge schon Nahe bei 4:30/km und ich hätte eine Marge von immerhin 20 Sekunden pro Kilometer auf meinen "Holzbrücken-Schnitt". - Wem das jetzt zu viel Mathematik und Spekulation war, dem kann ich nachfühlen. Mir war es nämlich auch langsam zu viel und so habe ich mich auf den Sonntag, 4. Mai gefreut. Der Wings for Life World Run sollte um 12:00 Uhr in Olten starten und dann würden nur noch Beine und Kopf zählen!

Als ich dann am Sonntag morgen in Olten über die Holzbrücke zum Startgelände marschierte, nahm ich mir vor Gas zu geben und wenigstens zu versuchen, nach Murgenthal zu kommen. No Risk, no Fun!

Startvorbereitung
Meine Frau war schon vor mir in Olten, da sie sich als Helferin eingetragen hatte. So musste ich nicht in die Schlange stehen, um die Startnummer zu holen. Sie hatte das für mich bereits erledigt. Der Nachteil an diesem weltweiten und speziellen Rennmodus ist, dass man bereits 30 Minuten vor der Startzeit in die Startbox muss. Man kann sich so nicht gut aufwärmen und pinkeln hätte ich auch schon wieder müssen, durfte die Box aber nicht mehr verlassen. Zum Glück war meine Kollege Markus dabei, da waren die 30 Minuten Wartezeit nicht so langweilig. Dialog zwischen uns:

Markus: "Ich habe gedacht, ich halte mich an dein Tempo und seh mal wie es geht."
Martin:: "Lustig, ich hab grad gedacht, ich halte mich an dein Tempo."
Markus: "Okay, eigentlich laufe ich sowieso lieber hinter einer Frau. Die sehen besser aus und laufen gleichmässiger als Männer."
Martin: "Den Tipp merke ich mir, danke." (Und wie mir dieser noch nützlich sein würde)

Kurz vor dem Start genehmige ich mir noch einen salzigen Energie-Gel. Einen zweiten habe ich im Backpack. Ich nehme mir vor, diesen bei km 15 zu vertilgen.

In der Startbox

Das Rennen (bzw. die Jagd)
Anscheinend sind die Läufer auf der ganzen Welt sehr diszipliniert und so wird pünktlich um 12:00 MESZ das Rennen gestartet. Nun haben wir 30 Minuten Zeit, bevor sich die Catcher Cars auf die Verfolgung machen. Die ersten paar 100m sind wie immer nicht so toll in der Meute drin. Markus hält sich definitiv nicht an mich und macht gleich Druck nach vorne. Ich häng mich dran und frage mich, ob das wirklich das richtige Tempo für mich ist. Zum Glück geht es dann gleich ein paar Meter bergab und so kann der Puls mal langsam hochfahren. Der erste Anstieg in die Oltener Altstadt folgt dann auch gleich und das Feld zieht sich langsam in die Länge.

Ich versuche mein Tempo zu finden und Markus im Auge zu behalten. Ich fühle mich gut. Pace ist mit ungefähr 4:45 tiptop. Puls so um 165 ist auch noch im grünen Bereich. Wie lange wird alles so schön sein?

Zwischen Kilometer 2 und 3 glaube ich, die neue Renntaktik von Markus erraten zu haben. So folgt er doch einer hübschen Lady mit markantem "www.brack.ch"-Shirt, welche tatsächlich sehr gleichmässig läuft. Etwas weiter vorne läuft Natascha Badmann und plaudert munter mit ihren Nachbar-Läufern. Alles Friede, Freude, Eierkuchen, allerdings zum Plaudern ist mir bereits jetzt nicht mehr gross.

Die Strecke führt am Flugplatz von Olten vorbei und übers offene Feld Richtung Hägendorf. Von der Bise spürt man nicht viel, da sie hier von hinten kommt und so unterstützend wirkt. Bei km 5 dann die erste Verpflegung. Ich habe eine Trinkflasche dabei und verzichte laufe deshalb am Posten vorbei. Dabei überhole ich Markus und sehe ihn in der Folge nicht mehr. Somit auch meine Renntaktik für den Mülleimer. - Zum Glück erspähe ich so 20m vor mir das brack.ch-T-Shirt. Wie war das nochmal mit den Frauen, welche die besseren Pacemaker sind? - Das wird jetzt getestet!

Meine Garmin Forerunner 610 zeigt immer noch eine Pace in den 4:40er = schön. Den Puls zeigt sie allerdings zwischen 170 und 175 = weniger schön, wie lange geht das gut? - Bis zur 10km Verpflegung in Gunzgen funktioniert es jedenfalls. Dort nehme ich mir einen Becher Wasser und inhaliere prompt die Hälfte durch die Nase. (Manche Leute bleiben einfach besser das ganze Leben beim Schoppen). Die Zeit bei 10km mit ungefähr 47 Minuten ist sehr gut. Dass dies jetzt noch zwei Mal so wiederholt werden soll bis Murgenthal, kann ich mir aber immer noch nicht so recht vorstellen.


Sobald die Strecke nicht mehr Richtung Südwesten führt, macht sich die mässige Bise deutlich bemerkbar. Es wird kühl und das laufen wird mühsamer. Bei km11 kommt ein Bergabstück, welches unter der Autobahn A1 durchführt. Ich lasse es laufen und schaffe es dadurch, auf meine Pacemakerin aufzulaufen. Jetzt bin ich dran und will auch dranbleiben. Ich stelle auf "Tunnelblick" und konzentriere mich nur noch auf die Turnschuhe vor mir. Ich laufe nicht gerne so, aber heute muss das einfach sein. Pace super 4:45 / Puls teilweise schon bei 180. Wie lange funktioniert das? Atmen geht aber erstaunlich gut und bei km15 bringe ich sogar den Gel runter.

Soweit also alles im Rahmen. Körper und Geist auf Status "orange". Pace gemäss Szenario 3. - Doch dann bei km18 kurz vor Neuendorf eine unerwartete Überraschung:

Unbekannte Läuferin von hinten: "Hallo Martin. Hey super läufts Du. Gratuliere!"

Martin: "Hallo, .....(schnauf - schnauf -schnauf) .... äh äh äh"

Unbekannte Läuferin zieht Sonnenbrille und Mütze ab, Martin schaut und überlegt (schnauf-schnauf-schnauf), kurz bevor sie die Identitätskarte hervorkramt, erreicht ein kleines Sauerstoff-Molekül das Hirn von Martin und die Erkenntnis explodiert: "Hallo, ... (schnauf - schnauf -schnauf), Gesa!"

Gesa zu brack.ch-Pacemakerin: "Du hast einen superschönen Laufstil" (Martin denkt: "Das stimmt")

 brack.ch-Pacemakerin: "Wirklich? Danke vielmals! (Martin denkt: "Irgendwas läuft hier falsch. Ich lauf am Anschlag und die machen Smalltalk")

Martin: "Gesa, wie weit willst Du heute kommen?"

Gesa: "Ich hab gedacht so 21km. Und Du?"

Martin: "Ich hab mal gesagt 25km. Toll wäre aber bis zur Holzbrücke in Murgenthal, das wären dann so 31km."

 brack.ch-Pacemakerin: "Kann ich bei dir anhängen?"

Martin: "Nein, weil ich häng schon seit Kilometern bei dir dran."

Zum Glück kommt eine kleine Steigung und das Getratsche hat ein Ende! :-)


Bei der nächsten Verpflegung fällt Gesa wieder zurück und wird schlussendlich bei gut 28km vom Catcher Car eingeholt werden. Ich überlege mir inzwischen, was ich nächste Woche bei Brack bestellen könnte. Irgendwie muss ich ja etwas zurückgeben können. Dann ein Höhepunkt. Halbmarathon-Distanz nach 1:40 Laufzeit. So schnell war ich noch nie!

Nach 2h und rund 24km, haben wir den westlichsten Punkt der Strecke erreicht. Nun geht es zurück an die Aare und ich kenne die Gegend hier. Der Puls nun konstant bei 180 +/- 2 Schläge. Der Endkampf beginnt!

Nächster Höhepunkt ist die 25km-Marke. Mein "Minimal-Ziel" ist erreicht. Diese Mission erfüllt. - In einem Anflug von Euphorie bin ich wieder am Verpflegungsposten vorbeigelaufen und habe dabei meine Pacemakerin hinter mir gelassen. Es geht aber nicht lange und sie überholt mich locker wieder. Die Frau zieht ihr Ding einfach durch! Beeindruckend!

Nun gegen die Bise in Richtung Wolfwil. Es geht flach und entlang der Aare ist es auch landschaftlich schön. Die Anfeuerungsrufe der Zuschauer werden nun immer wertvoller. Dann eingangs Wolfwil die letzte Steigung. Ich beisse mich hoch und bleibe dran. Ich weiss, dass mich oben nur noch 2 flache Kilometer und ein kurzer Downhill von der Holzbrücke trennen. - Leider sind meine Körner durch, mein Puls bei 185 und mein Wille gebrochen. (Und pinkeln muss ich immer noch!) - So entschwindet das mittlerweile so gewohnte www.brack.ch-Shirt und ich fühle mich trotz vielen Zuschauern ziemlich alleine.


In solchen Situationen besinnt man sich wieder auf seine Grundbedürfnisse. Da hilft der 30km-Verpflegungsposten direkt vor meiner Nase weiter. Ich marschiere gemütlich durch und gönne mir zwei Becher Wasser. Dann falle ich in meinen Ultra-Marathon-Trott und setze mir als nächstes Ziel die nächste Waldecke, wo ich die längst überfällige Pinkelpause machen will. (Wenn ich schon so jung in den Shuttlebus muss, dann wenigstens mit leerer Blase!) Die Waldecke bringt dann auch tatsächlich Erleichterung und das Leben sieht schon wieder freundlicher aus.

Jetzt kommt der Teil des Rennens, welchen ich mir vorher nur schwer vorstellen konnte. Hinten sehe und höre ich nun den Catcher Car. Ich habe mich im Vorfeld immer gefragt, wie ich dann reagieren würde. Panik? Energieschub? Fühlt man sich gejagt? - Das vorderste Begleitfahrrad überholt. Der Fahrer motiviert: "Los, bald geht es abwärts zur Brücke!" - Genau! Es ist noch nichts verloren. Ich kann es immer noch schaffen, aber nur wenn ich es probiere!

Ich zwinge mich, nicht nach hinten zu schauen. Ich höre dennoch, wie das Ungetüm näher kommt. Ich weiss, wenn ich es über das Flachstück schaffe, schaffe ich es auch noch über die Brücke. Teilweise werde ich von anderen Läufern übersprintet, teilweise überhole ich. Puls und Pace sind mir jetzt egal. (Später zeigt sich: Im Endspurt bergab erreiche ich  kurfristig einen 3:00km-Schnitt bei Puls 190) - Ich erreiche die Kante und sprinte zur Brücke runter. Am Ende der Holzbrücke ist das Rennen für mich gelaufen. Punktlandung!!! Ich beginne zu marschieren und werde Sekunden später vom Catcher Car eliminiert. Offizielle Distanz 30.81km.


Der Shuttle-Bus wartet 200m weiter vorne. Meine Pacemakerin ist ebenfalls dort. Ich gratuliere ihr und hoffentlich habe ich ihr auch für die Hilfe gedankt. Auf der Rückfahrt nach Olten geht das sms schreiben los und auch Facebook will bedient sein. Zur Feier des Tages genehmige ich mir ein Red Bull. Die Stimmung im Bus ist toll und aufgeregt. Dieser Rennmodus hat seine Feuerprobe bestanden.

In Olten eine kurze und kalte Dusche. Ich treffe Markus an, welcher 21.6km gelaufen ist. Wir fahren zurück nach Hause, wo ich im Livestream die Endphase des Rennens schaue. Toll, wenn man eben noch selber mitgelaufen ist!

Fazit
Der erste Wings for Life World Run war eine super Erfahrung und ein toller Erfolg für mich. Es ist schlussendlich alles aufgegangen und ich konnte mein Optimal-Ziel erreichen! - Hiermit danke ich allen Unterstützern, welche in verschiedenen Formen zum Erfolg beigetragen haben!

Lessons learned
- Ich kann auch in einem Pulsbereich zwischen 170 und 180 Schlägen über eine mittlere Zeitdauer laufen. Dies bringt zwar für Ultrarennen nicht viel. Ich habe aber ein besseres Körpergefühl entwickelt und Vertrauen gewonnen.

-Die getesteten Zehensocken haben sich bewährt. Ich hatte keine Blasen oä. Der rechte kleine Zeh hat geblutet. Wahrscheinlich da der Nagel nicht sauber gekürzt war.

-Das Orange Mud-Backpack hat sich tiptop bewährt. Stört sehr wenig beim laufen, ist praktisch in der Handhabung.

-Der Powerbar-Gel mit Sodium-Zusatz hat gut funktioniert. Ich hatte keine Probleme bezüglich Verträglichkeit und keinerlei Krampferscheinungen.

-Das "Risiko", von Beginn weg das Tempo zu forcieren, hat sich hier ausbezahlt. Für längere Distanzen mit vielen Höhenmetern muss ich aber mit Reserven laufen.

See you next year in Olten!

Sonntag, 20. April 2014

Vorbereitung "Wings for Life World Run"

Nachdem ich endlich wieder schmerzfrei laufen konnte, habe ich mich mal nach Trainingsrennen, im Hinblick auf den Eiger Ultra Trail, umgeschaut. Ein neues und für mich sehr spannendes Format ist der "Wings for Life World Run", welcher am Sonntag, 4. Mai 2014 zum ersten Mal statt findet. www.wingsforlifeworldrun.com . Dieses Rennen findet parallel in 34 Ländern auf 6 Kontinenten statt. Das heisst alle Teilnehmer starten genau zur selben Zeit (in der Schweiz heisst das zum Glück 12:00 Uhr). Spannend ist, dass es keine fixe Distanz oder Zeit zu laufen gibt. 30 Minuten nach der Startzeit, setzt sich ein Fahrzeug (Catcher Car) in Bewegung und holt die Läufer mit einer definierten Geschwindigkeit ein. Je schneller ein Läufer ist, desto weiter kommt er. Schlussendlich gibt es dann pro Location einen Sieger und einen weltweiten Sieger. Das ganze ist für einen guten Zweck, werden doch die gesamten Einnahmen zur Forschung im Bereich der Heilung von Rückenmarkverletzungen verwendet.

Ohne Zögern habe ich mich also für diesen Lauf angemeldet, welcher in Olten stattfindet und für mich deshalb auch betreffend Anreise/Logistik ideal ist.

Ende März suchte bluewin.ch dann Freiwillige, welche sich mit Unterstützung von bootcamper.ch und On-Laufschuhe, gezielt auf den "Wings for Life World Run" vorbereiten wollten. Ohne viel zu überlegen, habe ich mich gemeldet und wurde prompt ins Team aufgenommen. Die Idee ist, dass zwei Läuferinnen und zwei Läufer verschiedener Leistungs- und Trainingsstufen, mit individuellen Trainingsplänen auf den Lauf hinarbeiten. On (www.on-running.com) stellt dabei die Schuhe, Bootcamper (Bootcamper.ch) macht die Trainingspläne und ein wöchentliches Training und bluewin.ch begleitet das Projekt medial auf seinem Portal.

Nach einem Meet-and-Greet inkl. Fitnesstest (Koordination/Beweglichkeit/Rumpfkraft/Kondition), bekamen wir den Trainingsplan und los ging es.


Nach Erhalt meines Trainingsplans, habe ich sofort gemerkt, dass ich Schwierigkeiten haben würde, diesen einzuhalten. Die gesamte Trainingszeit von ca. 5-7h pro Woche, bringe ich zwar schon in meine Planung rein. Allerdings ist es schwierig, die Trainings genau nach dem Plan zu absolvieren. So stand zum Beispiel am Dienstag ein Intervall-Training mit insgesamt rund einer Stunde Zeitaufwand auf dem Plan. Ich war am Dienstag jedoch ganz alleine zu Hause und wollte deshalb lieber 2-3 Stunden trainieren. Nach Rücksprache mit meinem Bootcamper-Personal-Trainer Sandro, habe ich dann den Trainingsplan etwas flexibilisiert.

Gespannt war ich auf das wöchentlich einmal obligatorische Bootcamper-Training. Ich trainiere gerne alleine und habe mir dieses Gruppentraining deshalb nicht sehr spassig vorgestellt. Glücklicherweise wurde ich positiv überrascht. Mein Physio hätte eine wahre Freude an den Kräftigungs- und Koordinationsübungen gehabt, welche wir im stündigen Outdoor-Training absolviert haben. Genau die Sachen, welche ich bei meinem Training immer vernachlässige oder ganz weg lasse.

Dies machte sich dann auch die nächsten Tage bemerkbar, als mich an einigen Stellen erheblicher Muskelkater "quälte". Mir hat es aber so gut gefallen, dass ich gleich noch das freiwillige Sonntags-Training besuchte.

Beim absolvieren der Intervall-Trainings und den Dauerläufen mit fixen Tempovorgaben, habe ich gemerkt, dass für mich das Training viel mehr als nur "Training" ist. Ich geniesse in erster Linie einfach die Zeit für mich in der Natur. Es kommt mir dabei weniger auf die Effizienz des Trainings an, als viel mehr auf das Erlebnis. Mir macht es auch nicht mehr Spass, immer die selben Trainingsrunden zu laufen. Viel mehr Freude macht es, immer wieder neue Routen zu planen und diese dann zu laufen. Im Hinblick auf den Eiger Ultra Trail, versuche ich dabei auch immer einige Höhenmeter einzubauen. 

Das Highlight der letzten Wochen war dabei ein Abendlauf von Aarau über Erlinsbach auf die Schafmatt, dann Geissfluh, Saalhöhe, Wasserfluh und zurück nach Aarau. Fast 3h Laufzeit, 24km und gut 800 Höhenmeter. Die letzte Stunde bin ich dabei mit Stirnlampe gelaufen. 




Nach der Verletzungspause macht mir das Training jetzt natürlich wieder umso mehr Spass. Aus dem lockeren Trainingsrennen "Wings for Life World Run" ist nun mit der begleiteten Trainingsgruppe, ein richtiges Projekt entstanden. Dies beiden positiven Effekte sind, dass ich meinen Trainingsumfang nun schneller gesteigert habe, als ohne den Trainingsplan. Zweitens profitiere ich stark vom Bootcamper-Training, was die Entwicklung von Rumpfkraft und koordinativen Fähigkeiten betrifft. Mein Ziel für Olten ist eine Strecke von 25km. Das liegt sicher im Bereich des möglichen, ist aber für mich nicht ganz einfach, da ich lieber länger, dafür langsamer laufen würde. Mal sehen, wie es ausgeht! - Bei diesem Rennen ist es auf jeden Fall für einen guten Zweck!

www.wingsforlifeworldrun.com