Mittwoch, 30. Oktober 2013

SwissCity Marathon Luzern 27.10.13 / Marathon ist hart!

Zum Saisonabschluss wollte ich mir noch einen "lockeren" Flachland-Marathon gönnen. So habe ich mich also für den SwissCity Marathon in Luzern angemeldet. Da ich die lezten Wochen nur wenig trainiert habe, war ich eigentlich nicht sehr ambitioniert. Ich bin aber davon ausgegangen, dass ich meine beste (und einzige) Marathon-Zeit vom Frühling in Zürich (3:48h) verbessern würde. (Wie man sich täuschen kann)

Folgende Ziele habe ich mir für Luzern gesetzt:

1.) Einen Negativ-Split laufen
Das heisst die zweite Hälfte schneller als die erste laufen. In Zürich war ich zu schnell gestartet und deshalb eingebrochen. Das sollte mir hier nicht mehr passieren.

2.) Die erste Hälfte unter 2h laufen
Der Negativ-Split ist einfach, wenn man die erste Hälfte verbummelt. Deshalb dieses zweite Ziel.

3.) Kein Hungerast / keine Krämpfe
Richtig und genügend verpflegen. Dies im Hinblick auf längere Rennen.

4.) Have fun / A smile on the finish line
Ja, das stellt man sich ja immer so schön vor!

Der Marathon-Wetterbericht vom Samstag Abend tönte toll. Es soll trocken bleiben, bei angenehmen Temperaturen. Glaub nie einem Wetterfrosch. Als ich am Sonntag morgen beim Verkehrshaus vom Schiff gehe, fallen die ersten Tropfen. Startnummer abholen geht sehr gut, anschliessend trinke ich noch einen Kaffee und konsultiere das Regenradar. Das sieht nach "Wet Race" aus. Ich überlege mir, wie ich das nun am Besten organisiere, damit ich nicht schon vor dem Start total nass bin. Schlussendlich entschliesse ich mich zu folgendem Tenü: kurze Hosen, Langarm-Shirt, Laufjacke vor dem Start (binde ich fürs Rennen um), Mütze. Die Bauchtasche mit den Energie Gels nehme ich nicht mit und vertraue stattdessen auf die offizielle Verpflegung. Nach dem umziehen kann ich mir noch eine Pellerine der SUVA ergattern und bin so bis zum Start gut vor dem Regen geschützt.

Entgegen meiner Gewohnheit, laufe ich mich heute sogar mal ein. Damit will ich die grossen Pulsschwankungen am Start verhindern. Ich starte in der Gruppe mit Endzeit von 3:45 bis 4:00h. Ich will ja aber unter 3:45h ankommen. Pünktlich um 9:10 Uhr werden wir losgelassen. Es ist ein ziemliches Gedränge, da die erste Runde gemeinsam mit den Halbmarathonern gelaufen wird. Ich halte mich zurück, es gelingt mir aber trotzdem nicht, den Puls unter 160 Schlägen zu halten. Die Strecke ist schön, mit Sicht auf die umliegenden Berge. Es hat allerdings pro Runde 3 kurze Steigungen drin. Beim 100km würde ich diese Steigungen gehen, aber bei einem Marathon läuft man diese! Der Puls geht dabei ins nirgendwo.

Ich trinke bei jeder Verpflegungsstelle Wasser und esse Bananen, wo es solche gibt. Bei Kilometer 25 drücke ich ein Gel runter. Mir fehlt das Bündnerfleisch der Ultratrails! - Nachdem ich bei der ersten Verpflegung laufend trinken will und das Wasser durch die Nase reinziehe, mache ich nachher jeweils eine Gehpause.



Zuschauermässig sind die Highlights der Strecke am Ende der Runde. Die KKL-Passage ist toll und der anschliessende Lauf durch die Altstadt ebenfalls beeindruckend. Die Halbmarathoner sind nun schon im Endspurt und wir Marathoner machen uns bereit für die zweite Runde. Etwas hart ist es immer, wenn man Richtung Wendemarke läuft und die vor einem liegenden Läufer bereits entgegenkommen. Ab dem Wendepunkt hat es dann viel weniger Läufer auf der Strecke. Im Vergleich zu einem Ultratrail ist aber immer noch "viel Verkehr" und es verleitet zum anhängen und überholen. Dies kann einem zwar helfen, es besteht aber auch die Gefahr, dass man zu schnell läuft. Mehr als einmal beobachte ich Läufer, welche zu zweit oder dritt laufen. Das kann hart bis gefährlich für den schwächsten der Gruppe werden, wenn er andauernd überfordert ist.

Die Halbmarathonmarke passiere ich mit einer Zeit von 1:53h. Eine leichte Enttäuschung, da ich dies in Zürich in 1:48 geschafft habe. Immerhin fühle ich mich körperlich besser als damals. Der Regen hat aufgehört und es scheint sogar kurz die Sonne. Ungefähr bei km 23 kommt mir der Führende entgegen. Unglaublich, was der für ein Tempo durchzieht, obwohl es noch nicht mal ein Weltklasse-Läufer ist. Ich zähle nun die Kilometer rückwärts. Bei den Steigungen überwinde ich meinen Stolz und marschiere. Ich will mich nicht "verheizen" und nachher mit Krämpfen durchs KKL humpeln. Ein Läufer überholt mich mehrmals, muss dann aber immer wieder stoppen und dehnen, da ihn Krämpfe plagen. Es hat nun auch viele Läufer, welche auf den Flachstücken marschieren. Insbesondere dort, wo es keine Zuschauer hat.



Ich kämpfe auch etwas und der Puls ist mittlerweile ständig über 170. Ich will aber bis ins Ziel durchlaufen und es ist motivierend, dass ich dauernd überholen kann und nur selten überholt werde. Meine Rennteinteilung ist definitiv besser sie es in Zürich war. Irgendeinmal fallen die restlichen Kilometer in den einstelligen Bereich und ich beginne zu rechnen, wie meine Endzeit wohl aussehen wird. Ich stelle fest, dass mein zweiter Marathon wohl langsamer als der erste sein wird. Kleine Enttäuschung. Das hilft jetzt aber nichts. Nicht denken, laufen! Erfreulicherweise habe ich heute absolut keine Krampferscheinungen und auch der Energiehaushalt stimmt. Den hohen Rhytmus über fast 4 Stunden durchzuhalten ist aber schon hart.

Zum zweiten Mal durchs KKL. Seit Horw werden wir jeweils vom Speaker mit Namen angekündigt. Dann in die Altstadt. Es herrscht eine tolle Stimmung. Nun noch bis ins Verkehrshaus. Ich rechne: Noch zwei Kilometer, das sind ungefähr 12 Minuten. Die Spannung ist weg, das Ziel in Reichweite, nun einfach noch fertig laufen. Dann ist es geschafft! Ich muss dringend pinkeln und entdecke ein ToiToi bei der Sanität. Die Sanitäterinnen wollen mich sogleich behandeln, ich winke ab und beim pinkeln wollen sie dann nicht helfen. Danach starte ich sofort die Regeneration mit einem Bier (leider alkoholfrei). Die weiteren Höhepunkte sind eine heisse Dusche im Garderobenzelt und eine Cervelat vom Grill. Die Uhr ist schlussendlich bei 3:51:25 stehen geblieben. Keine persönliche Bestzeit, aber trotzdem eine positive Erfahrung!



Zielerreichung:
1.) Einen Negativ-Split laufen
Ziel klar verfehlt. Die zweite Hälfte war etwa 4 Minuten langsamer als die erste. Der Einbruch ist aber wesentlich geringer als in Zürich, wo der Unterschied 12 Minuten betragen hat. Ich versuchs beim nächsten Mal nochmals!

2.) Die erste Hälfte unter 2h laufen
Das habe ich gut geschafft.

3.) Kein Hungerast / keine Krämpfe
Das hat ebenfalls gut funktioniert. Ich konnte mich genügend verpflegen und hatte bis ins Ziel und auch danach keine Probleme mit Krämpfen.

4.) Have fun / A smile on the finish line
Ein Marathon ist kein Kindergeburtstag und der Fun hält sich für mich während dem Rennen in Grenzen. Ich hatte aber nie das Gefühl, völlig am Anschlag zu sein. Und im Ziel ist dann sowieso immer alles wieder gut!


Lessons learnd
Ich werde wohl nie der Strassen-Marathon-Typ werden. Die gleichmässige und hohe Belastung ist ziemlich zermürbend und es fehlt die Abwechslung. Zudem ist viel "Wettkampfieber", dafür wenig Naturerlebnis enthalten. Ich denke den nächstes Mal versuche ich mal bewusst mehr als 4 Stunden zu brauchen und zu spüren, wie sich das anfühlt.
Ich habe nun Lust auf Grundlagentraining mit niedriger Intensität!



Sonntag, 15. September 2013

Sardona Trail Marathon

Der Plan war ziemlich gut. Ich sollte dieses Wochenende unsere Jungs hüten, da meine Frau wegen Weiterbildung abwesend war. Ich dachte uns Männern würde etwas Bergluft gut tun. Schnell die Schwiegermutter in Davos gefragt, ob sie Lust und Zeit für die beiden Racker hat, dann mich selber für den Sardona Trail Marathon angemeldet.

Am Freitag Nachmittag habe ich den Nachwuchs in Davos abgegeben und bin dann nach Schänis zu meinen ehemaligen WG-Kollegen Stefan Zweifel und seiner Familie gefahren. Unterwegs habe ich in Wangs noch kurz die Startnummer abgeholt.

Mit der Startnummerausgabe fängt alles an.
Nach dem Nachtessen noch gemütlich zwei Bier zum auffüllen der Flüssigkeitsreserven. So sieht eine seriöse Wettkampfvorbereitung aus. Am Morgen bin ich dann nach 7:30Uhr in Wangs auf die Seilbahn, welche mich zum Startort Furt brachte.

Ich habe den Sardona Trail Marathon (38km / 3000Hm) mit dem Irontrail T41 (48km / 2900Hm) verglichen., welchen ich im August gelaufen bin. In meiner Überlegung, sollte der Sardona einfacher sein, weil 10km kürzer und Startzeit so früh, dass ich nicht in die Nacht kommen werde. - In die Nacht bin ich dann tatsächlich nicht gekommen. Betreffend einfacher war die Einschätzung nicht unbedingt treffend. Richtig wäre eher: Mein schneidet beim Irontrail die einfachen Flachstücke mit guten Wegen raus, streut über den Rest eine gehörige Ladung Steine und, da im September, legt ab 2300m noch 10cm Schnee drauf! Fazit: Es geht immer entweder steil hoch oder steil runter und der Trail ist brutal technisch.

Um 8:30 starten die Ultra-Läufer, welche den 80km-Lauf absolvieren. Meine erste Erkenntnis an diesem Tag: Nächste Woche kaufe ich mir auch solche Kompressionsstrümpfe. Jeder/jede trägt hier solche. Ich getraue mich fast nicht, ohne dieselben in den Startpulk zu stehen. Ich hab zwar von Kindheit her eine Abneigung gegen Kniesocken, nun wirkt aber der Gruppenzwang.

Die Pfleichtausrüstung wird hier nicht einfach per Selbstdeklaration abefragt, sondern in einer Materialkontrolle abgefragt. Da kommen doch gleich Gefühle wie an der Freitag-Abend-Mat-Kontrolle in der RS auf. Ich bestehe und werde zum Rennen zugelassen. Lustigerweise treffe ich Arsène Perroud, mit welchem ich vor bald 20 Jahren die Berufsschule besucht habe. Wir quatschen noch bis zum Startschuss und ich hefte mich dann an seine Fersen.
Startfeld des 80km Ultra-Trail

Furt - Gaffia / 6.4km, +620m, -280m
Wir reihen uns im hintersten Drittel des Feldes ein. Die Strecke führt zuerst leicht abwärts und wird bald zum Singletrail, auf dem das überholen schwierig ist. Mein Puls ist zu hoch, obwohl wir nicht wirklich schnell unterwegs sind. Eine Mischung aus Wettkampffieber und fehlendem Einlaufen. Ich konzentriere mich nur auf die Schuhe von Arsène und hoffe, dass mein Puls bald sinkt. Ich bin froh, dass ich mich für die kurzen Hosen und das Kurzarmshirt entschieden habe. Die Sonne kommt hervor und es wird sofort warm. Auf den exponierten Gräten ziehe ich die Ärmlinge nach hinten, um mich vor dem Wind zu schützen. Kurz vor Gaffia hält Arsène kurz an und ich ziehe vorbei. Von nun an laufe ich mein eigenes Tempo. Gaffia erreiche ich nach 1h05. Geschätzt hatte ich etwa 1:15. Der Durchschnittpuls ist mit 172 auf diesem Abschnitt aber viel zu hoch. In Gaffia fülle ich meine Wasserflaschen nach.

Gaffia - Lavtinasattel / 6.9km, +870m, -240m
Das Feld hat sich nun schon ordentlich auseinandergezogen und die Strecke führt auf dem bekannten Wanderweg der 5-Seen-Wanderung weiter aufwärts. Die Strecke ist anspruchsvoll, da der Weg mit vielen Steinen durchsetzt ist. Ich bin froh, dass ich diesmal Stöcke dabei habe, das erleichtert die Sache etwas. Wir kreuzen viele Wanderer, welche netterweise den Weg jeweils freigeben. Am Anfang bedanke ich mich immer freundlich, dann bekomme ich aber Seitenstechen und mache deshalb auf asozial. Bemerkenswerte Punkte bis zur Wildseelugge: Die schönen Bergseen, ein Feld von Steinmannli welches wir durchqueren, die Spitze der Short-Distance-Läufer, welche uns hier überholt. Die sind 45 Minuten nach uns gestartet und setzen hier schon fast zum Schlussspurt an. Ich kann auf diesem Abschnitt auch eine handvoll Läufer überholen und hoffe, die kann ich auch bis ins Ziel hinter mir lassen. Das Wetter ist ideal und die Sicht reicht bis zum Bodensee. Ab ca. 2300m hat es nun Schnee oder besser gesagt Pflotsch. Es ist eine glitschige Angelegenheit und es braucht ständig die volle Aufmerksamkeit. Beim Wildsee ziehe ich ein erstes Snickers aus der Tasche, damit ich etwas Energie zuführen kann. Die Strecke führt hier über ein Geröllfeld mit Steinen unterschiedlicher Grösse. Während dem Essen bin ich etwas abgelenkt und übertrampe mir prompt den linken Fuss. Der Schmerz ist kurz ziemlich heftig und ich humple weiter. Zum Glück kommt gleich der steile Anstieg auf den Lavtinasattel, mit 2587m der höchste Punkt der Strecke. Hier überhole ich Roland, welcher mich kurz vor meinem Fehltritt kassiert hat. Der höchste Punkt der Strecke wäre eigentlich ein Punkt zum feiern. Dahinter kommt aber ein brutaler Downhill von fast 1700Hm bis nach Schwendi auf 909m. Mir ist nicht nach feiern zu Mute. Geplant war für diese Strecke ca. 1:30, effektiv habe ich 1:52 benötigt.

Lavtinasattel - Schwendi / 10.2km, +40m, -1700m
Schon wenige Meter nach dem Gipfel überholt mich Roland wieder. Der ist bergab ungefähr doppelt so schnell wie ich. Unglaublich! Ich hoffe, es sind nicht alle hinter mir so schnell. Es ist steil und rutschig und mein Fussgelenk schmerzt. Zudem habe ich schlechten GPS-Empfang und deshalb bleibt der Höhenmesser hängen. Ich weiss nicht, wie viele Höhenmeter ich schon vernichtet habe und das nervt mich! Leichte Krampferscheinungen machen sich bemerkbar und ich lutsche eine Kalziumtablette. Ich habe Angst, dass ich wegen den Schmerzen im Fuss, nicht gleichmässig belaste und sich dadurch muskuläre Probleme ergeben könnten. Alles denken bringt nichts, nur stetige Vorwärts- bzw. Abwärtsbewegung bringt mich näher ans Ziel. Meine Wasservorräte sind zu Ende und ich weiss nicht, wann die nächste Verpflegung kommt. Auf dem Streckenprofil ist eine Verpflegung eingezeichnet, diese erkenne ich aber nicht als solche und verpasse es deshalb. Zum Glück ist Alpabzug im Weisstannental und ich bekomme in Weisstannen einen feinen Sirup von der "Sennenverpflegung". An einem Brunnen fülle ich die Flaschen und entledige mich meiner Gaiters (Gamaschen). Die haben sich schon wieder gelöst und flattern um die Knöchel. Da muss ich noch eine bessere Lösung finden. Im Abstieg konnte ich noch zwei Läufer überholen. Überholt werde ich nicht. Sonst ist es hier eine ziemlich einsame Sache. Nach 1:47h bin ich in Schwendi (geplant waren ca. 2:00h)

Schwendi - Gamidaurspitz / 7.3km, +1340m
Am Verpflegungsposten genehmige ich mir einen Becher Cola und etwas Bünderfleisch. Der Mann an der Verpflegung wünscht mir einen guten Rhythmus für "die Rampe". Das wünsch ich mir auch. Auf dem Wegweiser steht 4:55 bis Gaffia. Normalerweise kann ich diese Zeiten halbieren. Jetzt bin ich mir aber nicht sicher. Der Startanstieg ist wieder brutal steil und ich versuche einen gleichmässigen "Bergführerschritt" zu finden. Ich überhole einen 80km-Läuer, welcher aufgegeben hat, nun aber trotzdem zu Fuss über den Berg zurück muss. Etwas weiter oben sitzt Roland auf einem Stein. Er hat eine Krise und ruht sich etwas aus. Ich sehe ihn erst im Ziel wieder, und er sagt mir, die Krise ist bis dort geblieben. Die restlichen ca. 2h bis ins Ziel treffe ich keinen Läufer mehr. Bergauf geht es ziemlich gut mit dem Fuss und die Schmerzen halten sich in Grenzen. Ich kontrolliere meine Fortschritte anhand der Uhr und des Höhenmessers. Meine Traumzeit von 7h kann ich abhaken und ich hoffe nun, dass ich es unter 8h schaffe. Den zweiten Snickers-Riegel habe ich inzwischen auch weggeputzt und etwas Gel ging auch noch runter. Betreffend Verpflegung habe ich sicher noch Optimierungspotential, damit ich für Ultra-Strecken genügend Energie während dem Laufen zuführen kann. Ein paar Mal bleibe ich kurz stehen um durchzuschnaufen. Ich motiviere mich schlussendlich, alle 10 Minuten, 100 Meter aufgestiegen zu sein. Das klappt und nach 2:10 bin oben (geplant 2:30). Nun geht es nur noch runter bis ins Ziel!

Gamidaurspitz - Furt / 5.6km, +20m, -750m
Schon auf den ersten Metern abwärts merke ich, dass dies kein "Feierabendlauf" ist. Das Fussgelenk schmerzt und verunsichert mich. Die Oberschenkel- und Wadenmuskeln verkrampfen sich bei unbedarften Bewegungen. Ich habe nicht viel Reserve. Immerhin hat es hier wieder Wanderer auf der Strecke, welche etwas Abwechslung bieten. Die Strecke bis Gaffia sind wir schon auf dem Hinweg gelaufen und ich kenne die Stellen deshalb. Es scheint allerdings eine Ewigkeit her, als ich hier durchgekommen bin. Meine Ziel für diese Etappe: Ich werde von niemandem überholt und ich schaffe eine Gesamtzeit von unter 7:45. Meine Trinkflaschen sind wieder leer, ist aber nicht so schlimm, weil ich schon den Geschmack des Zielbiers im Mund habe. Ich überlege mir, was ich mir im Restaurant zum Nachtessen bestelle. Ich kann das Ziel nun schon sehen, es sind aber noch fast 500Hm bis dahin. Schlussendlich habe ich auch diese geschafft und laufe nach 7:43:12 in Furt ein. Zeit für die Etappe 47Minuten (geplant 45 Minuten).

Überglücklich im Ziel nach 7:43h

Ich hole mir bei der Verpflegung zwei Becher Cola, dann ziehe ich mich um und sitze auf die Terrasse des Restaurants. Ein alkoholfreies Weissbier und eine Gulaschsuppe später bin ich bereit für die Heimreise. Als ich aufstehe und zur Gondel gehen will, behindert mich mein linker Fuss nun ziemlich stark. Da werde ich noch ein paar Tage mit beschäftigt sein.

Fazit:
Trail-Marathon ist nicht gleich Trail-Marathon! Gegenüber dem Irontrail war meine durchschnittliche Kilometerzeit fast 2 Minuten langsamer (12:15 gegenüber 10:21). Die Ausrüstung hat sich grösstenteils bewährt. (Für die Gamaschen muss ich noch eine bessere Lösung finden). Ich habe den ersten Quali-Punkt für den Ultra Trail Mont Blanc erarbeitet. Nächstes Jahr will ich mir die restlichen 6 holen. Die Verpflegung muss ich noch optimieren. Ich führe unterwegs zu wenig Energie zu.

Insgesamt ein toller, aber sehr anspruchsvoller Lauf! Mein Respekt vor der 80km ist aber ziemlich gestiegen.


Donnerstag, 29. August 2013

Trail-Running-Training im Saanenland

Diese Woche war ich anlässlich einer Weiterbildung im Saanenland (Saanenmöser). Ich habe mir gedacht, ich nutze die Zeit gleich für etwas "Berg-Training". Neben dem Trainingseffekt ging es mir dabei drum, die gesamte Ausrüstung zu testen und vor allem das Laufen mit den Stöcken besser zu lernen. Folgende Läufe habe ich absolviert:

Sonntag, 25.8.:
Nach dem Einchecken im Hotel bin ich eine kurze (6km) Runde mit wenigen Höhenmetern gelaufen. Es war strenger als gewünscht. Nach der Anreise im Auto hat es aber trotzdem gut getan und ich hatte mir ein Feierabendbier an der Bar verdient.

Montag, 26.8.:
Wir haben zweieinhalb Stunden Mittagspause und nach einem Salätchen versuche ich auf das Horneggli zu laufen (ca. 480Hm). Ziemlich gestresst geht es ohne Einlaufen direkt in den Aufstieg. Ich schaffe den Aufstieg in 33 Minuten und habe so genügend Zeit um die Hornfluh zu umrunden. Den Downhill schaffe ich in 17 Minuten. Die Mittagspause ist optimal genutzt und ich habe den Kopf wieder frei für das Seminar.

Dienstag, 27.8.:
Heute haben wir am Nachmittag frei und ich will das natürlich nutzen. Ich verzichte gleich ganz auf das Mittagessen und ziehe mich sofort um. Als ich bereit bin, regnet es draussen und ich warte erst mal ab. Nach knapp einer Stunde sieht es dann besser aus und ich laufe los. Zuerst flach Richtung Schönried, dann wieder hoch zum Horneggli. Ich nehme dann den Weg über die Hornfluh zum Hornberg. Auf 1900m bin ich in den Wolken und es nieselt etwas. Ich treffe keine Leute an und geniesse die Ruhe. Ab dem Hornberg laufe ich über das Turbachtal nach Gstaad. Dort beschliesse ich, noch den Rellerligrat in Angriff zu nehmen. Der Weg führt zuerst flach nach Saanen, von dort sind es dann etwas über 800m bis aufs "Rellerli". Während dem Aufstieg beginnt es zu regnen und wird ziemlich kühl. Ich bin froh, dass ich die "Notfall-Packung" bei mir habe und ziehe mir Regenjacke und Mütze an. Für den Abstieg muss ich dann sogar die Handschuhe anziehen, da ich vor Kälte die Hände fast nicht mehr spüre.


Es ist zwar nicht angenehm, im Regen durch die Berge zu laufen, ich bin aber froh um den Erfahrungsgewinn und bekomme auch Respekt vor dem raschen Temperaturwechsel. Ich denke es lohnt sich lieber mal etwa zu viel mitzunehmen. Nach 3:55h bin ich wieder im Hotel und die heisse Dusche ist wirklich verdient. Insgesamt 26km und 1500Hm.

Mittwoch, 28.8.:
Den gestrigen Lauf habe ich gut verdaut und spüre wenig im Körper. So will ich es heute nochmals wissen. Ich möchte zum Lauenensee und wieder zurück laufen. Dies nicht auf dem einfachsten Weg. Ich starte um 13:15 und nehme diesmal die Asphaltstrasse direkt auf den Hornberg. Ich will über den Türlipass nach Lauenen weiter und habe das Gefühl, der Höhenweg sei schneller als unten durch das Turbachtal. Der Höhenweg ist dann auch spektakulär, aber alles andere als schnell.


Nach 2:45 (16:00 Uhr) bin ich dann beim Türlipass und rechne mal kurz durch, wie lange ich zurück zum Hotel brauche. Nachtessen um 19:00 wäre nämlich schon eine tolle Sache. Ich habe verschiedene Möglichkeiten:
1. Zurück durchs Turbachtal nach Gstaad oder über den Hornberg nach Saanenmöser
2. Über den Wasserngrat nach Gstaad
3. Weiter nach Lauenen, von dort nach Gstaad

Möglichkeit 1 scheidet aus, da dies die am wenigsten reizvolle Variante ist. Möglichkeit 2 dauert zu lange, und wäre die anstrengendste. Die heb ich mir für ein anderes Mal auf. Also Downhill nach Lauenen.

Der Downhill macht Spass. Als dann das Handy klingelt und ich abnehmen will, resultiert ein kapitaler Sturz mit Schürfung und Wadenkrampf. Wieder was gelernt! In Lauenen reizt das Postauto. Ich bleibe aber hart und will bis Gstaad laufen. Der Weg ist dann auch toll, allerdings leide ich nach fast 4 Stunden auf den Füssen. Ich rufe mal den Fahrplan ab Gstaad ab und sehe sofort, dass ich den 17:05 Zug nicht erreiche und nachher bis 18:11 warten muss. Während ich mich vorwärts kämpfe wäge ich die Möglichkeiten ab. Eigentlich könnte ich mir die Zugfahrt gönnen, andererseits macht es keinen Spass zu warten und es wäre natürlich toll, die Runde zu Fuss abzuschliessen.

Um 17:18 bin ich in Gstaad am Wanderweg-Wegweiser. Saanenmöser 2h. Das heisst ich kann das in 1h schaffen und wäre somit ein paar Minuten vor dem Zug da. Also los!


Zuerst führt der Weg durch die Luxus-Chalets von Gstaad. Dann über die Wiesen Richtung Schönried. Mir fehlt etwas richtiges im Magen und Wasser mag ich auch nicht mehr richtig trinken. Ich freue mich auf Cola oder Bier im Hotel und natürlich auf die Dusche. Obwohl ich die Füsse nicht getapt habe, machen diese wenig Mühe und ich freue mich darüber. Auf den letzten Kilometern telefoniere ich noch kurz nach Hause, da ich im Hotel wahrscheinlich zu wenig Zeit habe vor dem Nachtessen. Schlussendlich ist es geschafft. Nach gut 5h Laufzeit habe ich es geschafft. 37km/1370Hm. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Als ich meine Sachen auf den Balkon hänge trifft der Zug aus Gstaad im Bahnhof ein. Dieses Rennen habe ich also gewonnen. Eine Blase habe ich mir eingefangen, zudem bleibt ein Fünfliber grosses Stück Haut der Fusssohle gleich an den Socken kleben. Ansonsten aber alles gut überstanden.


Fazit:
Die Rennerei/Gehherei in den Bergen hat mich wirklich gepackt. Mit dem Raidlight-Rucksack und den Stöcken funktioniert das gut. Ich freue mich und bin gespannt auf den Sardona-Trail-Marathon. Die mehrstündigen Läufe geben mir sehr viel Energie und ich will versuchen, wieder konsequent einen langen Lauf in der Woche einzubauen.

Samstag, 17. August 2013

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen

Am Sonntag nach dem Irontrail T41 hat der Muskelkater dann auch prompt eingesetzt. Montag und Dienstag war er deutlich spürbar, am Mittwoch ging es bereits viel besser und am Abend habe ich ein erstes Training gewagt.

Am Sonntag konnte ich mich ausruhen und nach dem tollen Erlebnis natürlich gleich wieder Pläne schmieden. Nach einem Telefon mit der Schwiegermutter war klar, ich kann am Samstag, 14. September den Sardona Trail Marathon (39km / 3000Hm) laufen. Sie wird die Jungs hüten. - Da ist man doch über die Schwiegermutter gleich wieder froh.

Einige Lehren aus dem Irontrail sind schnell gezogen:
1.) Ich brauche Stöcke!
Im Trail Magazin war ein Test von verschiedenen Trekking Stöcken und ich hab mir gleich den "gröbsten" bestellt. Der Komperdell Ultralight Vario 4 wurde dann auch nach wenigen Tagen geliefert und gleich getestet.
Komperdell Ultralight Vario 4
Ein Stock wiegt nur 200g und ich kann diese beim Laufen problemlos mittragen.

2.) Der Rucksack ist nicht optimal
Der Salomon-Rucksack ist zwar gut. Ich habe aber das Problem, dass die Flaschen nicht so einfach zum wegstecken sind, da diese am Rücken getragen werden. Als Alternative habe ich mir den Raidlight Olmo 20 mit Front-Flaschenhaltern bestellt. Auch diese Lieferung erfolgte prompt:

Raidlight Olmo 20
Die Flaschen vorne sehen mal cool aus, die Gewichtsverteilung ist besser. Zudem werden die Hände zum trinken nicht benötigt, das ist beim Aufstieg mit den Stöcken ein Vorteil. Der Rucksack ist sehr kompakt geschnitten und läuft am Rücken wesentlich weniger tief als der Salomon. Mir fehlen etwas die gut zugänglichen Reisverschlusstaschen des Salomon, ich denke aber für das Rennen funktioniert es gut. Am Sardona Trail wird der Test stattfinden.

3.) Zu viele Steine in den Schuhen
Ich habe mir Salomon S-Lab Gaiters bestellt. Diese wurden leider noch nicht geliefert. Ich bin gespannt, ob dieses Gamaschen-System funktioniert. Meine Fusssohlen wären dankbar um jedes Steinchen, welches den Weg Ihnen nicht mehr findet.

4.) Krämpfe
Ich habe mir Kalzium-Tabletten besorgt. Diese kann ich während dem Rennen einnehmen und ich hoffe damit, die Krampfbildung zu minimieren. - Ist noch nicht getestet.

5.) Ich muss bergauf und bergab schneller werden
Tja, da hilft nur Training. Deshalb am Samstag einen Morgenlauf vor 6:00 Uhr gestartet:

Sonnenaufgang
Ende August bin ich an einem Seminar in der Gstaad-Region. Da sollten auch ein paar Höhenmeter drinliegen. Dann habe ich mich noch für den Luzern-Marathon angemeldet, welcher Ende Oktober stattfindet. Das wird wohl der Saison-Abschluss sein. - Das Laufen macht mir grossen Spass und bringt mir viel Energie für den Alltag. Deshalb: Keep on running!

Sonntag, 11. August 2013

Irontrail T41 - Geballte Erfahrungen

Vorbereitung
Ich hatte das Streckenprofil genau studiert und für jeden Abschnitt eine Zeitschätzung gemacht. So kam ich auf eine realistische Marschtabelle mit einer Totalzeit von 7h. Das würde dann heissen, 21:00 Uhr in Davos im Ziel. (Hätte ich die 7h einhalten können, hätte ich den 3. Gesamtrang und den Sieg in meiner Alterskategorie erreicht. Meine Marschtabelle war also absolut unrealistisch. Der Post heisst ja auch "Geballte Erfahrungen")
Am Samstag Morgen bin ich mit dem Auto nach Davos gefahren und habe es in der Nähe des Ziels parkiert. Dann habe ich den Bus nach Lenzerheide genommen. Im Auto hatte ich bewusst meine Lieblingslieder gehört, denn normalerweise läuft einem dann auf der ganzen Strecke "eines nach". Im Postauto lief dann aber auch der Radio und prompt hat sich Florian Ast "Du bisch min Ängel" eingeschlichen.
Auf der Lenzerheide war dann genügend Zeit für die Startvorbereitungen. Inzwischen kenne ich das ganze Prozedere und war mit der ganzen Ausrüstung um 14:00 Uhr für den Start bereit.
Meine Taktik war, gut auf die Pulsuhr zu achten und bis zum höchsten Punkt, dem Weisshorn bei Streckenmitte nicht über 160 Schläge/Minute zu gehen. So würde ich meine Energiereserven nicht zu früh verschiessen.
Kurz vor dem Start auf der Lenzerheide
Lenzerheide - Joch / 10km , 544m Aufstieg / Zeit geplant: 1:25 / Zeit gelaufen: 1:21
Gut 80 Läuferinnen und Läufer machen sich um 14:00 Uhr auf den Weg. Das Wetter ist perfekt. Kein Regen in Sicht und Temperaturen zwischen 15° und 20°. Ich bemerke schon bald, dass mein Drang nach vorne zu laufen sich wieder bemerkbar macht. Der Puls ist auch schon über 160. Ich halte mich zurück und sage mir, dass die Anderen das zu hohe Anfangstempo büssen werden. Bei den Aufstiegen versuche ich erst gar nicht zu laufen, sondern marschiere. Ich bin so gar nicht viel langsamer, spare aber Energie.
Am Anfang ist das Feld noch ziemlich geschlossen und es geht im Konvoi
 Kurz nach Valbella verpassen die Läufer vor uns eine Abzweigung und verschwinden im Wald. Der Läufer vor mir merkt das und wir nehmen den richtigen Weg. Ich überhole ihn und sehe nun keinen mehr vor mir. Die Strecke ist gut markiert und hier auch gut laufbar.

Aufstieg zum Joch (oben in der Bildmitte)
Um mich herum ist ein Schweizer, welcher bergauf langsamer, auf der Ebene und abwärts schneller ist als ich. Dann noch zwei englischsprachige Jungs, welche gemeinsam laufen. Sie laufen relativ langsam, aber auch in steilen Steigungen ohne Marschpause. Der Schweizer hat Stöcke dabei. Da ich aber aufwärts schneller bin, denke ich die bringen gar nicht viel. (Auch diese Einschätzung werde ich in den nächsten Stunden noch korrigieren). Das Joch (2020 müM) erreiche ich nach 1:21. Etwas schneller als meine Marschtabelle. Das Leben ist schön und ich bin ja so toll!

Joch - Tschiertschen / 3km , 707m Abstieg / Zeit geplant: 0:30 / Zeit gelaufen: 0:31
Der Downhill startet genial. Ein Singletrail über Weiden und durch Wälder. Ich lasse es fliegen und kann einige Läufer überholen. Ich merke, ich bin der geborene Downhill-Läufer. (Die nächste Einschätzung, die noch zerlegt werden wird). Dass man sich in dieser frühen Phase bergab etwas schonen sollte, schlage ich in den Wind, da es so viel Spass macht. Wie hat mir Markus Hauri letzte Woche gesagt: "Der Muskelkater setzt sowieso erst am nächsten Tag ein.". 

Ankunft in Tschiertschen
Kurz vor Tschiertschen werde ich dann auch mal überholt und merke zum ersten Mal, dass ich längst nicht der Schnellste bin bergab. In Tschiertschen ist dann der erste Verpflegungsposten. Wie es sich in Graubünden gehört, gibt es sogar Bündnerfleisch. Ich bediene mich und als Dessert gibt es ein Schoko-Törtchen. Tiptop! - Leider fülle ich in beide Flaschen Iso-Getränk statt Wasser. In die eine kippe ich dann noch einen Beutel meines Iso-Pulvers. Meinen Irrtum bemerke ich erst, als ich die Verpflegungs-Station schon verlassen habe.

Tschiertschen - Weisshorn / 9km , 1340m Aufstieg / Zeit geplant: 2:00 / Zeit gelaufen: 2:08
Nun gehe ich also mit einer Flasche Iso-Getränk und einer ungeniessbaren Flasche Iso-Getränk auf die "Königsetappe". Auf einer Alp unterwegs hat es Wasser und ich kann den Irrtum glücklicherweise korrigieren. 

Der Aufstieg hier ist nun deutlich steiler, als der aufs Joch. Es gibt praktisch keine laufbaren Strecken mehr und ich marschiere. Der Puls bewegt sich praktisch ständig über 160 und ich muss aufpassen, dass ich hier nicht alle "Körner" verbrauche.
Aufbruch in Tschiertschen. Der höchste Punkt über dem Chalet ist das Weisshorn
 Erfreulich ist, dass ich wesentlich öfter überholen kann, als dass ich überholt werde. Die GPS-Uhr zeigt mir die Höhe an. Ich freue mich über die Fortschritte und rechne aus, wie viel ich noch steigen muss. Da ich von einer Gipfelhöhe von 2450 müM ausgehe, dass Weisshorn aber tatsächlich 2650 müM ist, gibt es einen rechten Dämpfer. Im Aufstieg passiere ich die 30km und die 25km Reststrecken-Markierungen. Das sind für mich in der Ebene recht lockere Strecken. Heute wird das anders sein.
Kurz vor dem Gipfel treffe ich auf Stefan. Er bittet mich, mit seinem Handy ein Foto von ihm zu machen. Wir werden die nächsten 20km immer in der Nähe laufen. Auf dem Gipfel kommt dann auch noch Thomas dazu. Bergauf bin ich vorne. Bergab die anderen beiden. (Leider ist das letzte Stück bergab).
Im Aufstieg werde ich vom späteren Sieger des T81 überholt. Beeindruckend, wie der den Berg hochwetzt! (Natürlich mit Stöcken).
Weisshorn-Gipfel
 Je näher der Gipfel kommt, desto steiler wird es. Vom marschieren in der Neigung brennen mir die Fusssohlen. Ich sehe aber, dass andere noch viel mehr leiden. Oben ist es zügig und mit den schweissnassen Kleidern wird es nun frisch. In der Bergstation gibt es Wasser und Brot. Wie im Gefängnis, nur viel besser! Ich setze mich kurz hin, da man ja aber auch beim marschieren essen und trinken kann, macht sitzen keinen Sinn und ich mache mich wieder auf die Socken. Ich habe zwar etwas Boden verloren, ich bin aber immer noch genau auf der Marschtabelle. Von nun an wird es nur noch leichter! (Eine Einschätzung, .......)

Weisshorn - Arosa / 5km , 860m Abstieg / Zeit geplant: 0:40 / Zeit gelaufen: 0:49
Dieser Downhill besteht nicht aus Singletrail. Eine breite steile Geröllrampe lässt die Fusssohlen gleich weiterbrennen. Die Leute, welche ich im Aufstieg überholt habe, laufen nun locker an mir vorbei. Ich weiss nicht, woran es liegt, aber bergab habe ich definitiv Steigerungspotential. Die einzigen, welche ich überholen kann, sind Läufer des T141. Die haben aber auch schon fast 120km in den Beinen und ich kann ihnen nur gratulieren. 

Blick hinunter nach Arosa. Davos liegt hinter der nächsten Bergkette.
Bergab finden immer wieder Steine den Weg in die Schuhe. Ich werde mir nächste Woche Gamaschen kaufen, damit ich dieses Problem das nächste Mal nicht mehr habe. Als es einmal flach wird und ich etwas forcieren will, bekomme ich Krämpfe in den Waden. Zudem werden die brennenden Fusssohlen von Steinen malträtiert. Ich setze mich auf eine Bank und drücke einen Energie-Gel mit Salz-Zusatz runter. Dann ziehe ich beide Schuhe aus und leere diese. Nach dieser kurzen Rast geht es locker weiter nach Arosa. Ich freue mich, denn ich war noch nie in Arosa. Zudem hat es hier eine grosse Verpflegungsstation.

Verpflegung: links Wasser - rechts Iso-Getränk
Die Station befindet sich in einer Zivilschutzanlage drin. Hier gibt es auch einen Arzt, welcher mit jedem Läufer kurz spricht. Bei uns T41 ist das keine Sache. Die Läufer von T141 und T201 sind bereits einen ganzen bzw. anderthalb Tage unterwegs. Da kann man schon Beschwerden haben. Ich halte mich wieder an Bündnerfleisch und Schoko-Törtchen. Ich überlege mir noch, einen Becher Bouillon zu nehmen, bin aber zu ungeduldig und will weiter. Ich bin nun etwas hinter meiner 7h-Marschtabelle, das macht mir aber wenig aus. Dann werden es halt ein paar Minuten länger. (Es sollten 80 Minuten werden)

Arosa - Strelapass / 14km , 187m Abstieg, 464m Aufstieg, 239m Abstieg, 515m Aufstieg /
Zeit geplant: 1:45 / Zeit gelaufen: 2:43
Draussen vor der Zivilschutzanlage treffe ich Thomas und Stefan wieder. Stefan hat mit seiner Frau telefoniert und berichtet, dass wir im momentan im ersten Drittel rangiert seien. Das tönt sehr gut, dann versuchen wir die Positionen zu halten. Zuerst geht es runter zum Stausee. Meine Füsse schmerzen und das linke Fussgelenk macht sich wieder etwas bemerkbar (siehe 100km Biel). Es geht mir immer wieder eine Satz durch den Kopf, welcher von einem amerikanischen Spitzen-Ultra-Läufer stammt: "Not all pain is significant". Also Augen zu und durch. Nach dem Stausee beginnt die nächste Steigung. Ich überhole bald einen Italiener, mit welchem ich das "Auf-Ab-Jo-Jo" auf den letzen Kilometern bereits gespielt hatte. Dieses mal sehe ich ihn zu letzten Mal. Er holt mich nicht mehr ein.

Wieder mal Stefan "fressen". Am Schluss hat er allerdings die Nase vorne.
Stefan kann ich auch wieder überholen. Ich frage ihn nach der Wirksamkeit der Stöcke. Er sagt, er sei gottenfroh, dass es sie mitgenommen habe. Er meint ich wäre eine halbe Stunde schneller mit den Stöcken und überlässt mir gleich seine zum ausprobieren. Nach wenigen "Stockschlägen" ist mir klar, dass es wirklich eine Hilfe ist. Nächste Woche wird investiert! Überhaupt habe ich nun schon lange keinen Läufer ohne Stöcke mehr auf der Strecke gesehen.

Bergauf geht nach wie vor gut, wenn es nicht zu steil ist. Horizontal geht auch, ich kann aber nicht mehr so stark forcieren, da ich Angst vor Krämpfen habe. Bergab ist eher mühsam. Es macht aber immer noch Spass und ist eine tolle Erfahrung. Riesig ist der Respekt vor den T141 und T201-Teilnehmern. Wir überholen den späteren 2. Platzierten des T201, einen Tschechen. Er fragt uns, ob es noch weitere Steigungen gäbe. Wir sagen, nur noch eine kleine, kein Problem für ihn. (Wir glauben tätsachlich dass die Steigung nicht so doll ist. Wir Narren!) Er sagt, dass er Probleme mit der Atmung hat. Kunststück: Er ist seit 36h unterwegs, hat 180km und über 10'000hm gemacht. Ich wäre froh, wenn ich da nur Probleme mit der Atmung hätte.

Petr Mil, Tschechien / 2. Rang T201 / mit Rind
Bei einer Alphütte sitzt eine Gruppe und feiert jeden Läufer, welcher vorbeizottelt. Es hat natürlich wenig Zuschauer auf der Strecke. Umso mehr freut es einem, wenn man angefeuert wird! Bei der 10km Tafel mache ich einen Freudenschrei. Das geht noch locker, meine ich. die Freude ist zu früh. Es geht nochmals abwärts und Stefan und Thomas meinen, wir hätten alle Steigungen hinter uns. Ich muss sie leider enttäuschen. So treffen wir irgendwann nach 20:00 bei der letzen Verpflegungsstation Jatz ein. Ich nehme einen Becher Bouillon und zwei Becher Cola. Dazu etwas Brot. Ein Helfer klärt uns über die restliche Strecke auf: Distanz ca. 8km, davon ungefähr eine Stunde berauf bis Strelapass, nachher noch 30 Minuten abwärts bis Davos. Es dunkelt langsam ein und ich muss mein Ziel begraben, den Lauf ohne Stirnlampe zu beenden. Stefan geht als erster los, da er friert. Ich denke ich werde ihn aufwärts wieder überholen, was ich aber nicht mehr schaffe. Irgendwie hat er den Turbo gefunden. Ich gehe vor Thomas, er überholt mich dann, als ich die Stirnlampe und ein langes Shirt montiere. Als er später das selbe macht, bin ich wieder vorne. Nach einem brutal steilen Aufstieg geht es flach durch ein Hochtal. Dort überhole ich Jeannette Odermatt, die Siegerin des T141. Ich gratuliere ihr zu ihrer Leistung, sie ist aber nicht wirklich gesprächig. (Nach 24 Rennstunden schweigen auch die Frauen).

Der Mond steht am Himmel, und ich vor der Strelapass-Wand
Die Sonne ist untergegangen und wenn ich zurückschaue, sehe ich die Stirnlampen der Läufer hinter mir. Die letzten 300m hoch zum Strelapass haben es nochmals in sich. Da hilft nur noch Geduld. Irgendwann wird es zu Ende sein. Im Aufstieg werde ich von zwei T81 Spitzenläufern überholt (Mann + Frau). Wahnsinn, die fräsen einfach gerade den Berg hoch und ich habe das Gefühl bei mir geht es rückwärts. Dann wird es auf einmal flach und ich habe es geschafft! Strelapass bezwungen! Nur noch abwärts ins Ziel!

Diese Etappe hatte ich total unterschätzt.

Strelapass - Davos / 5km , 788m Abstieg / Zeit geplant: 0:40 / Zeit gelaufen: 0:46
Hier wieder Singletrail-Downhill. Bei Dunkelheit ist das aber mehr Stress als Freude. Ich versuche Gas zu geben, will aber auf keinen Fall stürzen. Bis zur Schatzalp ist es frustrierend, da ich wieder mehrfach überholt werde. Ich habe keine Chance die Tempis mitzugehen, welche die erfahrenen Läufer zustande bringen. Ab Schatzalp laufen wir dann auf einem breiten Wanderweg und ich treffe keine anderen Teilnehmer mehr bis ins Ziel. Um 22:19 Uhr treffe ich dort ein. Es geht mir gut und ich bin sehr zufrieden und habe ein riesen Freude, dass ich es geschafft habe. Das war sicher nicht mein letzter Berg-Trail-Lauf.

Stefan berichtet mir, dass wir tolle Ränge erreicht hätten. Ich habe den 12. Gesamtrang von 63 Klassierten erreicht. In meiner Alteskategorie bin ich sogar 4. (von 28) geworden. Der Rückstand auf den 2. Rang beträgt weniger als 5 Minuten (hätte ich doch Stöcke gehabt).

Das Erlebnis war super und der Erfahrungsgewinn enorm! - Bis zum nächsten Mal!

Montag, 5. August 2013

Vorbereitung Irontrail T41 abgeschlossen

Nächsten Samstag, 10.8.13, will ich meinen ersten Berg-Ultra-Trail laufen. Der Irontrail T41 führt in 48km und 2930Hm von Lenzerheide über Arosa nach Davos. Die letzten Wochen habe ich infolge Hitze und viel Arbeit nicht allzuviel trainiert. Dementsprechend sind meine Erwartungen leistungsmässig nicht allzu hoch. Ich bin aber gespannt, wie ich die Strecke überhaupt bewältigen kann. So viele Höhenmeter habe ich noch nie am Stück gemacht.
Ebenfalls zum ersten Mal laufe ich mit Pflichtausrüstung. Im Training bin ich deshalb nun bereits immer mit dem vollgepackten Salomon Agile 17 gelaufen. Momentan habe ich das Gefühl, ich bin jeweils ziemlich träge unterwegs. Die "schweren" Trailschuhe erhöhen die Dynamik auch nicht gerade.

Eine Herausforderung wird die Renneinteilung sein. Ich denke ich muss mich in der ersten Rennhälfte in den Anstiegen schonen, damit ich genügend Reserven für den Schluss behalten kann. Das wird nicht ganz einfach sein, da im allgemeinen am Anfang zu schnell gelaufen wird. Mal sehen, wie ich das auf die Reihe kriege.

Mein Saisonhöhepunkt "The Wayve" wurde leider wegen zu wenig Teilnehmern abgesagt. Ich will nach dem Irontrail entscheiden, was ich noch mache. Im Hinterkopf habe ich das 12h-Rennen von Brugg und den Luzern-Marathon.

Nun heisst es aber noch 4 Tage relaxen und dann am Samstag vollen Einsatz im Gebirge! Ich hoffe das Wetter spielt mit, damit das Rennen ordnungsgemäss durchgeführt werden kann.

Samstag, 29. Juni 2013

Wie geht es weiter?

Mein Fussgelenk brauchte nahc Biel 2 Wochen Erholung, bevor es wieder schmerzfrei war und ich einen Trainingsversuch gestartet habe. Ich habe einen wunderschönen Abendlauf von Holziken über den Stübisberg bis auf den Reitnauer Berg und dann durchs Tal über Staffelbach zurück nach Schöftland gemacht. Genau 20km in 2 Stunden. Leider habe ich das Fussgelenk wieder mehr als deutlich gespürt und mir ensprechend Sorgen gemacht. Der Lauf war auch ziemlich hart und ich hatte nachher Muskelkater. Der Wiedereinstieg nach dem 100km-High ist also nicht ohne.

Für "The Wayve" (100km / 2000Hm) um den Zürichsee am 21.9. hatte ich mich bereits am Sonntag nach dem 100er angemeldet. Inzwischen habe ich mich nach Rücksprache mit Silvia auch für den Irontrail T41 (45km, 2700Hm, Lenzerheide-Davos) am 10.8. angemeldet. Dort bin ich vor allem auf die Steigungen und Downhills gespannt. Keine Ahnung, wie ich das verkrafte.

Da es für den Irontrail eine Pflichtausrüstung braucht, habe ich mir einen grösseren Laufrucksack zugelegt.
Den Salomon Agile 17. Ein tolles Ding, getestet bereits beim Abendlauf
 Zur Pflichtausrüstung gehören Trailschuhe, also heisst es auch hier nachrüsten. Die Wahl fiel auf den Asics Gel-Fuji Trabuco:



Diesen habe ich heute bei einem stündigen Lauf durch die Wälder getestet. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. Erfreulicherweise hatte ich heute auch keine Probleme mit dem Fussgelenk!

Das nächste Highlight ist der Gigathlon. Ich werde Markus Hauri während zwei Tagen als Supporter unterstützen. Falls alles klappt, kann ich ihn sogar als Pacer auf der Abend-Laufstrecke vom Rütli nach Buochs begleiten. Er hat mir dafür angeboten, als Betreuer zu "The Wayve" mitzukommen.

Wie sehen meine weiteren Ziele aus?
Falls alles gut läuft und ich noch Lust habe, könnte ich als Saison-Abschluss noch den Luzern-Marathon Ende Oktober laufen. Das wäre eine Möglichkeit, eine gute  PB im Marathon zu laufen.

Für nächstes Jahr habe ich die Idee, mal eine Distanz über 100km anzugreifen. Das wäre am XXL-Ultra-Marathon Bielersee möglich. Oder bei einem 12 oder 24h Stunden Rennen. Falls der Irontrail T41 funktioniert, wären längere Distanzen bei Bergrennen erstrebenswert. In der Schweiz hat es ja ein tolles Angebot an solchen Rennen. Die Krönung in Europa wäre dann natürlich der Ultra Trail Mont Blanc (UTMB) mit 168km und 9600Hm. Mal sehen, ob ich jemals dorhin komme. Dies wäre wohl nur durch einen amerikanischen 100 Meilen-Klassiker wie Western States 100 oder Leadville 100 zu toppen!

Die Visionen sind also vorhanden. Zuerst wartet nun aber wieder Training auf mich. Ich will wieder einen guten Trainings-Rythmus finden und vor allem mehr längere Läufe machen. Was ich auch testen will, sind richtige Anstiege (1000Hm am Stück). Ich freue mich und bin gespannt, wie sich mein "Laufprojekt" weiter entwickelt!